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Autor: Wolfram Häfer - http://wollumination.piranho.com


1.    Teil: Die Bedeutung der Zahlen

 

1.1 Erkenntnisinteresse

 

Um der Bedeutung der Zahlen für die Musik beizukommen, müssen wir die Einschränkung vornehmen, gerade nicht die unzählig wiederholbaren und herstellbaren Töne mittels Synthesizern und Computern zu betrachten. Stattdessen werden wir den Bezugsrahmen hinsichtlich der Musik in ihrer eigentlichen Form eingrenzen, d.h. uns auf die ursprüngliche Musik beschränken, welche die Menschen mit mechanischen Methoden herzustellen imstande sind. Aus diesem Grund werden wir uns auch auf ältere, vorcartianische Erklärungsmodelle beziehen, welche in ihrem Charakter nach einer Ganzheit streben. Sie erwachsen gerade, und daher auch in ihrer Aussagekraft, aus der Gesamtheit und entsprechen daher den empirischen Tatbeständen besser als parzellierte und zergliederte Einzelaussagen über empirisch kaum relevante, d.h. von den Menschen überhaupt als erfahrbar wahrgenommene, Sachverhalte. In der Zeit vor Descartes´ Wirken, waren die Wissenschaften noch bestrebt, aus den Einzelheiten das Ganze zu erkennen und die Qualität (oder das Wesen) derselben auszumachen; später, so scheint es, ist es gerade die Vereinzelung und Spezialisierung auf möglichst vollständig zergliederte Einzelfälle, welche ihre Aussagekraft als `hoch´ bestimmt. Wir benutzen jedoch vorrangig neuere Bearbeitungen der älteren Theorien.

 

1.2 Einige erkenntnistheoretische Probleme

 

Um dem Wesen der Zahl auf die Spur zu kommen, halte ich es für sinnvoll, auch die Ursprünge in Betracht zu nehmen. D.h. ich werde mich den in alten Traditionen verhafteten Erklärungen aus der Theosophie und Philosophie, v. a. der Kabbala, zuwenden, welche sich die qualitativen Bestimmung (oder gerade Nicht-Bestimmung, dazu später) ihrer Gegenstände zum Ziel gesetzt haben. Dies begründet sich nicht nur daraus, dass sich diese Theorien bis in früheste Zahlensysteme zurückverfolgen lassen. Sie sind unitheistisch, d.h. Gelehrte aller großen Weltreligionen (Christentum, Islam, Hinduismus, Buddhismus) berufen sich auf diese?? Theorien. Sondern auch daher, dass die modernen Wissenschaften ebenso unbewiesene und unbeweisbare theoretische Axiome besitzen, welche den Grundstein der jeweiligen Theorien legen, sich jedoch nicht von anderen logischen Erkenntnissystemen unterscheiden. In den Naturwissenschaften, beispielsweise, herrscht das Axiom, ein Experiment unter gleichen Bedingungen beliebig wiederholen zu können, um es als bewiesen anzuerkennen. Jedoch gibt es auch dabei Unbewiesene Vorraussetzungen, wie z.B. das Teilchenmodell der Chemie, in der Stoffe als einzelne und voneinander trennbare Teilchen beschrieben werden; die, wenn sie erst einmal isoliert sind, auch beliebig (nach den Regeln der Chemie) wieder zusammengesetzt werden können. Vergessen wird dabei jedoch, dass das Teilchenmodell der Erkenntnis über chemische Stoffe vorausging und daher den wissenschaftlichen Erkenntnisprozess maßgeblich beeinflusst hat. Hinzu kommt, dass es der Naturwissenschaft auch innerhalb ihrer eigenen Methoden nicht gelingt, ein Experiment beliebig zu wiederholen.  Dazu schreibt Aleister Crowley: „Wir können darauf vertrauen, daß Wasser bei 100 ° Celsius kocht, obwohl Wasser mit mathematischer Genauigkeit niemals 2 mal bei genau der gleichen Temperatur kocht, und obgleich der Ausdruck Wasser logisch ein unverständliches Mysterium ist.“(Crowley,1993,S.254) An eine ähnliche Grenze stößt Rudolf Steiner in „Das Wesen des Musikalischen“: „Es gibt eine Tonphysiologie nur für Klänge, es gibt keine Tonphysiologie für Töne. Man kann eigentlich mit den heutigen gebräuchlichen Mitteln das Musikalische nicht begreifen. Und daher ist es auch notwendig, daß, wenn man beginnt über das Musikalische zu sprechen, man nicht appelliert an die gewöhnlichen Begriffe, die sonst unsere Welt begreifen.“(Steiner,1981,S.120) Er appelliert stattdessen an die Ganzheit des Menschen, und die damit verbundene ganzheitliche Wahrnehmung der Musik. Die Musik gelangt über die Schwingung der Luft in den Ätherleib, der seinerseits daraufhin und für sich reagiert, und dass ist das musikalische Erlebnis. (vgl. Steiner,1981,S.123ff.)

Doch auch Crowley ergänzt seine Ausführungen zum Wasser noch:  „ Bei der Überarbeitung dieses Kommentares bemerke ich mit Vergnügen, daß es mir entfallen war, daß 100 ° Celsius nach der Definition die Temperatur ist bei der Wasser kocht! Auf dem Baltaro Gletscher habe ich es bei ungefähr 84 ° Celsius kochen sehn.“(Crowley,1993,S.254) Ebensolche Theorien sind in dieser Hinsicht auch auf Tautologien gegründet, die, entfernt von jeder empirischen Realität, sich ihrem Wesen nach jedoch nicht von anderen logischen Erkenntnissystemen mit ihren Grundvoraussetzungen unterscheiden.

Des weiteren führt Crowley an, abgesehen von der Temperaturmessung durch die Eigenschaften zweier Substanzen Quecksilber und Glas in ihrem Verhältnis zueinander[1], „…hängen die Unterteilungen des Thermometers von der Natur kochenden Wassers ab, welche nicht fest ist. Sie hängt vom Druck der Erdatmosphäre ab, welche (je nach Zeit und Ort) bis zu einem Ausmaß von über 20 %  variieren.“ (Crowley, 1993, S.258) Das ist eine wissenschaftlich eigentlich nicht tolerierbare Schwankungsbreite der Messwerte, angelegt im Maßsystem an und für sich.[2] Außerdem können die exakten Bedingungen eines Experiments nie wiederhergestellt, da nie wieder exakt der selbe Untersuchungsgegenstand (z.B. das selbe „Wasser“ im chemischen Sinne H2O) vorzufinden sein wird.

 

 

2.1 Die Zahl in der Kabbala

 

Die Zahl in der Kabbala ist Gegenstand der Erkenntnis und Methode zugleich. Sie ist insofern Erkenntnisgegenstand, als dass sie in ihrem Ursprung beschrieben wird. Crowley benutzt dazu hauptsächlich die hebräische Schrift, die Bibel und andere kabbalistische Schriften um Erkenntnisse über die ursprüngliche Bedeutung der Zahlen zu gewinnen. Jedoch ist die Zahl damit auch Methode, um den wahren Sinngehalt v. a. der Bibel zu entschlüsseln. Durch die Erkenntnisse über deren Bedeutungen, können diese symbolisch durch die hebräische Schrift auf den Text übertragen werden und die Wahrheit ans Licht bringen(vgl. dazu Crowley,1993,S.248). Die Symbolik der Zahlen wird hauptsächlich aus der „…Essenz von Form, Klängen, einfachen Ideen (solchen wie Zahlen) und ihren spirituellen, moralischen oder intellektuellen Äquivalenten…“ (Crowley,1993,S.247f.) gewonnen. Die Zahl ist daher Bedeutungsträger, welche den Weg zum wahren Gehalt der heiligen Schriften beschreiben, den Weg zur Erkenntnis des Göttlichen. Ein Versuch, „…die Daten des Mystizismus und die Resultate der Vergleichenden Religionen (u. a. in Anlehnung an H.P. Blavatsky, Anm. d. A.) zu systematisieren.“ (Crowley,1993,S.77) Doch um die Methode zu verstehen, müssen wir zuerst einen Blick auf die hebräische Schrift werfen.

 

 

 

 

 

 

2.2 Zahlbedeutungen der hebräischen Schriftzeichen und ihre Namen

Tabelle 1[3]:

 

der hebräische Buchstabe "Aleph"

["Aleph"]

=  1

der hebräische Buchstabe "Beth"

["Beth"]

=  2

der hebräische Buchstabe "Gimel"

["Gimel"]

=  3

der hebräische Buchstabe "Daleth"

["Daleth"]

=  4

der hebräische Buchstabe "He"

["He"]

=  5

der hebräische Buchstabe "Waw"

["Waw"]

=  6

der hebräische Buchstabe "Sajin"

["Sajin"]

=  7

der hebräische Buchstabe "Chet"

["Cheth"]

=  8

der hebräische Buchstabe "Tet"

["Tet"]

=  9

der hebräische Buchstabe "Jod"

["Iod"]

= 10

der hebräische Buchstabe "Kaph", die Endform des hebräischen Buchstabens "Kaph"

["Kaph"]

= 20, 500

der hebräische Buchstabe "Lamed"

["Lamed"]

= 30

der hebräische Buchstabe "Mem", die Endform des hebräischen Buchstabens "Mem"

["Mem"]

= 40, 600

der hebräische Buchstabe "Nun", die Endform des hebräischen Buchstabens "Nun"

["Nun"]

= 50, 700

der hebräische Buchstabe "Samech"

["Samech"]

= 60

der hebräische Buchstabe "Ajin"

["Ajin"]

= 70

der hebräische Buchstabe "Pe", die Endform des hebräischen Buchstabens "Pe"

["Pe"]

= 80, 800

der hebräische Buchstabe "Zade", die Endform des hebräischen Buchstabens "Zade"

["Zade"]

= 90, 900

der hebräische Buchstabe "Koph"

["Koph"]

= 100

der hebräische Buchstabe "Resch"

["Resch"]

= 200

der hebräische Buchstabe "Sin"/ der hebräische Buchstabe "Schin"

["Sin"/"Schin"]

= 300

der hebräische Buchstabe "Thaw"

["Thaw"]

= 400

 

Tabelle 2[4]:

["Aleph"]: ist ein „Ochse“, hauptsächlich weil die Form des Buchstabens Hörnern gleicht. Milde, Geduld, sexuelle Unschuld und die Funktion des Pflügens waren die Hauptideen.

["Beth"]: ist ein „Haus“, der Buchstabe zeigt Dach, Fußboden und Wand- Wohnort des Menschen in der Welt der Dualität und Illusion.

["Gimel"]: das „Kamel“ als Mittel des Reisens.

["Daleth"]: die „Tür“ als Verbindung mit dem Höchsten, außerdem Buchstabe der Venus (sexueller Symbolismus). Die Form zeigt den Vorbau eines Eingangs und eine aufgeschlagene Zeltklappe.

["He"]: ist ein „Fenster“; Verständnis als Mittel, durch das das Licht uns erreicht. Die Lücke zwischen den beiden Strichen ist das Fenster.

["Waw"]: ist ein Nagel, hieroglyphisch, symbolisiert die Fixierungen der Höchsten.

["Sajin"]: ein „Schwert“, das Zeichen korrespondiert mit der intellektuellen Analyse.

["Cheth"]: ein „Zaun“, die Querstange deutet den Zaun als Heiligen Gral an.

["Tet"]: eine „Schlange“, gleicht in seiner Form der Schlange, aber auch der Uräus, dem Haus der Sonne; betont die Identität beider.

["Iod"]: eine „Hand“, verweist auf die Mittel der Handlung, folgend dem Doktrin, dass das Universum durch die Handlung des unteilbaren Punktes (Hadit) in Bewegung gehalten wird; Symbol der schöpferischen und gerichteten Energie und damit äquivalent zur wahren Glyphe.

["Kaph"]: die „Handfläche“ ist die Nabe des Rades, aus welcher die Kraft der 4 Elemente entspringt. Die 1. Form könnte die Faust sein, die 2. die offene Hand

["Lamed"]: ein „Ochsentreibstock“,  deutet auf eine Beziehung zu „Aleph“.

["Mem"]: „Wasser“ deutet eine Welle an, 1. Form eine Woge, 2. ruhiges Wasser

["Nun"]: ein „Fisch“ ist das, welches sich im Wasser bewegt, ein Symbol des Todes

["Samech"]: ein „Pfahl“, symbolisiert das Fundament.

["Ajin"]: „Auge“, Form zeigt beide Augen und Nase

["Pe"]: „Mund“, das „Jod“ (Mitte 1. Form) symbolisiert die Zunge

["Zade"]: ein „Fischhaken“

["Koph"]: „Rückseite des Kopfes“

["Resch"]: „umgekehrter Kopf“

["Sin"/"Schin"]: ein „Zahn“, zeigt 3 Spitzen eines Backenzahns; drei „Jods“ symbolisieren die Dreiheit 300. Dem Element Feuer zugeordnet (Essen). Doktrin der Dreieinigkeit ist erfüllt, da es nur ein Buchstabe ist.

["Thaw"]: ein „Kreuz“ (wurde ursprünglich kreuzförmig geschrieben) ist eine Verfestigung der 4 Elemente und symbolisiert das Element Erde

 

Nun können die Schriftzeichen den Zahlen und den einfachen Ideen, mithilfe von Form und Klang, zugeordnet werden. Doch bevor wir uns den praktischen Methoden zuwenden können, müssen wir uns der Zahl (oder dem Symbol) in der Kabbala zuwenden. Sie definiert: „Jede Zahl ist unendlich, es gibt keinen Unterschied“(Crowley,1993,S90). Dies mag zwar äußerlich ein Paradoxon darstellen; sowohl bezüglich des Wortes Definition: lat. definire „abgrenzen, bestimmen“, als auch bezüglich des Inhalts: die eher eine Nicht-Bestimmung des Gegenstandes gleicht. Jedoch folgt sie einem System (damit auch einem Erkenntnissystem). Eine Zahl alleine kann alles bedeuten. Sie definiert sich erst durch ihr Verhältnis zu anderen Zahlen und umgekehrt. Es gibt keine Eins ohne eine Zwei. Die Eins ist gar nicht denkbar, ohne ihre Verdoppelung. Sie existiert genauso in der Zwei, und ohne sie wäre sie nicht. Die Null[5] würde ebenso nicht sein (wie sie in ihrer Zahlbedeutung nicht ist), ohne die Eins, da es Nichts gäbe. Doch auch die Eins ist ohne das Verhältnis zu Null nicht denkbar. Es gäbe auch dann Nichts. Somit ist jede Zahl ein Ding an sich und unendlich in ihren Eigenschaften. Sie kann überall auftauchen und ihre Bedeutung ändern. Crowley gibt dazu folgendes Beispiel: „Z.B. kann im physikalischen Kontinuum das Auge zwischen der Länge eines 1 cm Stockes und eines 2 cm Stockes unterscheiden. Nicht aber zwischen solchen, welche 1000 km und 1000 km und 1 cm messen, obgleich der Unterschied in jedem Falle 1 cm beträgt.“(Crowley,1993,S. 249) Die mathematische Idee von Zahlen, ihrerseits auch ein Ausdruck eines Kontinuums (z.B. 1 cm), stimmt nicht mit dem des physikalischen Kontinuums (1000km und 1000 km und 1 cm) überein, da der Unterschied in jedem Fall 1cm beträgt, jedoch vom Menschen nicht gleichermaßen wahrnehmbar ist. Auch wenn dies auf den ersten Blick widersprüchlich scheint, zudem was eingangs gesagt wurde -jede Zahl ist unendlich- so ist sie dennoch unendlich in ihrer Erscheinung im Menschen. Ebenso gibt es keinen Unterschied, insofern als dass sich die Zahlen gegenseitig bedingen und somit die Bedeutung der jeweils anderen in sich tragen.

 

 

2.3 Gematria, Notariqon und Temurah

 

In der Kabbala wird nun versucht, die den Zahlen innewohnende Eigenschaften[6] zu erkennen, um die höhere Wahrheit der hebräischen Schriften zu erkennen, werden verschiedene Methoden verwandt. Die Methoden der Kabbala umfassen die drei Tilgebiete : Gematria (Studium der Umsetzung), Notariqon (Studium der Kunst der Zeichen) und Temurah (Studium der Vertauschung und Zusammensetzung). Durch sie versucht der Kabbalist die verborgenen Analogien der unterschiedlichen Worte (und Zahlenwerte)  zu erkennen und dadurch ihre Bedeutung durch ihre Beziehung zueinander nicht zu spezifizieren, sondern zu erweitern.

Der Begriff Gematria „stammt vom griechischen Wort der griechische Buchstabe "Zahlenlehre"["geometría"], was soviel bedeutet wie "Zahlenlehre" oder "Buchstabenrechnung". Vielleicht steckt auch das Wort der griechische Buchstabe "Schrift"["grammateía"] ("Schrift") dahinter.“(http://www.kreudenstein-online.de/Bibelkritik/zahlensymbolik.htm)

Hier werden die relativen numerischen Werte der Wörter verglichen. Diese bestehen aus den Wörtern in hebräischer Schrift, welche durch die numerischen Werte der Buchstaben in addierter Form einen relativen numerischen Wert ergeben.

„So ist der Buchstabe Schin, Sh, 300 und damit der Zahl gleich, welche man erhält, wenn man die numerischen Werte der Buchstaben der Worte RVCh ALHIM, Ruach Elohim, der Geist von Elohim, addiert, und er ist deshalb Symbol für den Geist von elohim. Denn R=200, V=6, Ch=8, A=1, L=30, H=5, I=10, M=40, zusammen 300.“(Crowley,1993, S.19)

Notariqon ist abgeleitet von dem lat. Wort notarius „(Schnell)schreiber, Stenograph“.  Stenograph ist aus dem engl. stenography „Kurzschrift (mit bestimmten Zeichen zum Zwecke der Schriftkürzung)“ und griech. stenos „eng“ und graphein „schreiben“.  Es gibt zwei Formen des Notariqon, wobei die erste die Buchstaben eines Wortes benutzt, um mit diesen Anfangsbuchstaben andere Wörter zu bilden. „So ist z.B. jeder Buchstabe des Wortes BRAShITh, Beraschith, dem ersten Wort in der Genesis, zum Anfangsbuchstaben eines Wortes gemacht, und wir erhalten BRAShITh RAH ALHIM ShIQBLV IShRAL ThVRH, Berashith Rahi Elohim Sheyequebelo Israel Torah, ``Am Anfang sah Elohim, daß Israel das Gesetz annehmen würde´´.“(Crowley,1993, S.20) Dies sei beispielsweise angeführt um die erste Methode des Notariqon zu beleuchten und die Arbeitweise der Kabbalisten nachvollziehen zu können. Crowley zieht mithilfe derselben Methode aus dem Wort BRAShITh noch weitere Erkenntnisse, die in ihrer Übersetzung hier kurz angeführt wären[7]:

1.     „Der Sohn, der Geist, der Vater, ihr sollt ihre Dreiheit gleichermaßen verehren“ .

2.     „Ihr sollt meinen Erstgeborenen anbeten, meinen ersten, dessen Name Jesus ist“.

3.     „Wenn der Meister kommt, dessen Name Jesus ist, sollt ihr ihn anbeten“.

4.     „Ich will eine Jungfrau wählen, würdig, Jesus hervorzubringen, und ihr sollt sie gesegnet nennen“.

5.     „Ich will mich in Kuchen (gebacken mit) Kohlen verbergen, denn ihr sollt Jesus, meinen Körper essen“.

Die zweite Methode des Notariqon ist die genaue Umkehrung der ersten. Hier werden Anfangs- und/oder Endbuchstaben der Wörter in Sätzen zu einem Wort zusammengesetzt. So z.B.: MI IOLH LNV HShMIMH, Mi Iaulah Leno Ha-Schamayimah, „Wer soll für uns zum Himmel aufsteigen?“ äquivalent zu MILH, Milah, „Beschneidung“ und IHVH, Jehova, der unaussprechliche Name Gottes. Daraus lässt sich in der Kabbalistik eine Analogie ableiten, dass Gott die Beschneidung als Weg zum Himmel angeordnet hat.“

Die Temurah bedeutet „Wechsel“ und ist eine Permutation (Vertauschung oder Vertauschungstabelle, Umstellung einer inReihenfolge geordneter Gößen). Dazu werden Tabellen benutzt, in denen das Alphabet in der Mitte geteilt wird (siehe Tabelle 3), und ein Buchstabe durch einen ihm vorausgehenden oder nachgestellten Buchstaben ersetzt. Dabei werden 22 Umwandlungen erzeugt.(vgl.Crowley,1993,S.21) In diesem Fall wurde Lamed entfernt und Mem dafür eingefügt.

Tabelle 3:   

11

10

9

8

7

6

5

4

3

2

1

Kaph

Iod

Tet

Cheth

Sajin

Waw

He

Daleth

Gimel

Beth

Aleph

Mem

Nun

Samech

Ajin

Pe

Zade

Koph

Resch

Schin

Thaw

Lamed

 

 

2.4 Die Sephiroth oder die zehn Sephira

 

Zehn göttliche Sphären gibt es, zehn Ebenen der sich entfaltenden Gottheit. Die Zehn Ebenen entsprechen den Zahlen 1, 2, 3, 4, 5, 6, 7, 8, 9, 10.  In diesen Ebenen erklärt die Kabbala sowohl das Wesen aller Zahlen, sowie deren Zuordnungen. Denn die 10. Sephira ist die Wiederholung der 1. auf einer höheren Ebene. Die Wiederholungen auf den höheren Ebenen erlauben ausschließlich noch Erweiterungen. Die Ausnahme sind die Primzahlen, welchen gesonderte Bedeutungen zukommen ( dazu später). Die Summe der Zahlenwerte  des Wortes SPIRVTh, Sephiroth, ergeben 703, die Quersumme davon beträgt 10! Es ist nur eine Wiederholung der zehn Sephira.

„Daher begreifen wir so, wie wir in der höheren Mathematik die Zahlen in ihrem abstraktesten Sinne begreifen, in der Kabbala die Gottheit durch die abstrakten Formen ihrer Zahlen, in anderen Worten durch die SPIRVTh, Sephiroth. Aus dieser alten orientalischen Theorie leitete Pythagoras seine numerischen symbolischen Ideen ab.“ (Crowley,1993,S24)

 

Die einzelnen Stufen (Sephira) haben folgende Namen[8]:

 

1. Kether                       = „Krone“

2. Chockmah                = „Weisheit“

3. Binah                        = „Verständnis“

4. Chesed                      = „Liebe“ oder „Gnade“

5. Geburah                     =„Strenge,Stärke“                                              auch Pachad      = „Furcht“

6. . Tiphareth                  = „Schönheit, Milde“

7. Netsach                       = „Festigkeit und Sieg“

8. Hod                             = „Pracht“

9. Yesod                          = „Fundament, Basis“

10. Malkuth                     = „das Reich“ und auch „die Königin”

 

1.     die Nummer Eins oder die pythagoreische Monade: In ihr sind die anderen 9 verborgen, sie ist unteilbar und nicht multiplizierbar (1*1=1; 1/1=1). Damit ist sie eine geeignete Darstellung des unveränderlichen Vaters von allem. Sie ist in ihrer unwandelbaren Einheit jedoch der Addition befähigt, womit sie die erste Zahl einer numerischen Serie ist. Zero oder Null ist von dieser Serie ausgeschlossen, denn sie ist sogar der Addition unfähig, hingegen enthält die Eins in ihrer Reflexion die Zwei. Wenn es Eins gibt, muss es auch „noch“ Eins geben. Somit erklärt sie in ihrer Schizophrenie von Unwandelbarkeit und Unendlichkeit alle folgenden Zahlen. Am Anfang ist die Abwesenheit der Dinge, das zweite ist ohne Grenze; aus dem Dualismus des Unendlichen, dem Widerspruch des unendlich kleinen und des unendlich großen, entsteht eine endlich positive Idee.

2.     Nummer Zwei oder Dyade: ist eine von Kether reflektierte maskuline, aktive Potenz, die auch Ab, der Vater, genannt wird. Sie ist vereinigt mit der Mutter, der Drei.

3.     Die dritte Sephira oder Triade: ist eine weibliche und passive Macht. Genauso, wie mit zwei Linien kein Raum erfasst werden kann und die dritte Linie benötigt wird, symbolisiert die Triade auch die schöpferische Kraft und die höchste Dreiheit. Abgeleitet Von Eins und Zwei durch Addition.

4.     Chesed: Der Grund der Vereinigung von Zwei und Drei, auch Größe oder Pracht genannt. Entspricht einer männlichen Potenz. Abgeleitet von der Zwei durch Multiplikation.

5.     Geburah: eine weibliche und passive Potenz.

6.     Die Sechs als die zweite Dreiheit, ist insofern abgeschlossen, als dass sie mit 4, 5, 6, 7, 8 und 9 Zauir Anpin, das kleine Antlitz, ergibt. Im Gegensatz zu Kether 1, das unermessliche Antlitz; abgeleitet von Zwei und Drei durch Multiplikation.

7.     Die Sieben ist äquivalent mit Elohim, Götter und Thaschischim, die Strahlenden. Abgeleitet ist sie von der Drei und Vier durch Addition

8.     Hod als weibliche passive Macht, entspricht Elohim Tzabaoth, dem Herr der Heerscharen und Veni Elohim, den Söhnen der Götter. Von der Zwei und Drei durch Multiplikation (2 hoch 3) abgeleitet.

9.     Yesod als Basis und die dritte Dreiheit der Sephiroth. Von der Zwei und Drei durch Multiplikation (3 hoch 2) abgeleitet.

10. Mit der Zehn entsteht die vollständige Dekade. Jede dieser Sephira ist in gewisser Hinsicht androgyn, weiblich und empfangend bezüglich der vorangegangenen und männlich übertragend bezüglich der folgenden Sephira. Jedoch gibt es weder eine Sephira nach Malkuth, noch eine vor Kether. Abgeleitet ist sie durch 1 + 2 + 3 + 4 = 10.

 

2.5 Weitere Beschreibungen der Sephiroth, sowie Zero und der Hendekade[9]

0.     Das Negative, das Unendliche, der Kreis oder Punkt, das kosmische Ei, das All-Selbst

1.     Die Einheit, das Positive, das Endliche, das göttliche Sein, Selbst der Gottheit, göttliches Selbst, geschlechtslos

2.     Die Oberfläche, der göttliche Wille, der Vater, das Ego

3.     Der Körper, göttliche Intelligenz, die Mutter, die Seele

4.     Ein in der Zeit existierender Körper, der fleischgewordene Vater, Gedächtnis

5.     Fünfheit, Kraft oder Bewegung, Zusammenspiel des göttlichen Willen mit der Materie, die fleischgewordene Mutter, wild und aktiv, der Wille

6.     Der Geist, der Sohn, Imagination, das bewusste Selbst des normalen Menschen

7.     Die Mutter mit rein tierischer Emotion, Begehren

8.     Intellekt, Wechsel, Instabilität, Vater mit rein tierischer Vernunft, Vernunft

9.     Stabilität im Wechsel, der Sohn zu rein tierischem Leben verdammt, tierisches Sein, das unbewusste Selbst des normalen Menschen

10. Das göttliche Ende repräsentiert die zur Null zurückkehrenden Eins, die Tochter die Hüllen berührend, die illusorische, physische Hülle.

11. Die Hendekade, die Hüllen, die nur außerhalb des göttlichen Baums existieren.

 

3. Versuch einer Synthese

Die verschiedenen Disziplinen, welche sich mit Zahlensymbolik beschäftigen, haben Gemeinsamkeiten und Unterschiede, welche ich anhand meiner Materialien nicht vollständig einzuordnen imstande bin. Jedoch kann ich versuchen die Ähnlichkeiten herauszuarbeiten. In der Christlichen Zahlensymbolik sind die Bedeutungen der Zahlen nicht grundlegend unterschiedlich. Doch sind die Beschreibungen aufgrund der Wertsetzungen verschieden. Jedoch sind zumeist die schaffenden Kräfte hervorgehoben, während in der esoterischen Kabbala, wie sie Aleister Crowley verfolgt, eher die Mächte hervortreten, welche dem Einzelnen Macht verleihen können. Crowley verfolgt insofern die Motivation seiner Tradition, Magick ausüben zu können. Während die christliche Zahlensymbolik den Wert z.B. auf die Vier legt, ist das die erste göttliche Offenbarung, welche das veräußerte göttliche Selbst darstellt, was aus der Dreieinigkeit hervortritt, ist die Fünfheit mit ihrer Energie und praktischen Anwendbarkeit (Dämonen werden beispielsweie in Fünfecken [Pentagon] beschworen, böse Dämonen, d.h. die einem selbst Schaden können, mit Pentagrammen bekämpft) wesentlich wichtiger. Während die Sieben in der christlichen Symbolik geheiligt ist, weil es das Ende des alten beschreibt und der Anfang von etwas neuem ist (am siebten Tage ruhte Gott), steht für Crowley „Festigkeit und Sieg“ im Vordergrund. Ähnlich verhält es sich in der Theosophie nach Steiner, wozu man auch Ernst Bindel zählen könnte. Diese Theosophische Schule unterscheidet sich von Aleister Crowley vorrangig in der Wahrnehmung ähnlicher Sachverhalte. Nicht, dass man Crowley`s Werk unterschätzen sollte. Er hat eine systematische Darstellung der Kabbala, mit unzähligen Übersetzungen, Symbolismen und Bedeutungen, geschaffen. Jedoch unterscheiden sie sich nicht in den anders bewerteten, aber dennoch ähnlich wahrgenommenen Tatbestände. „Fünf ist die Zahl des Bösen. Das wird uns am besten klar, wenn wir den Menschen betrachten. Er ist in seiner Entwicklung zu einer Vierheit geworden und damit zu einem Schöpfungswesen. Auf der Erde tritt zu ihm das fünfte Glied, das Geistselbst. Wäre er nur eine Vierheit (der Mensch nach 1.dem Mineralreich, 2. dem Pflanzenreich und 3. dem Tierreich; Anm. d. A.) geblieben, dann wäre er stets von den Göttern, natürlich zum Guten, dirigiert worden. Zur Selbstständigkeit hätte er sich niemals entwickelt. Er ist dadurch frei geworden, daß er die Keimanlage zum fünften Gliede bekommen hat. Dadurch hat er auch die Fähigkeit erhalten, das Böse zu tun Überall, wo uns ein Böses entgegentritt, ein solches, das tatsächlich für das eigene Wesen verderblich wirken kann,, da ist auch eine Fünfheit im Spiele. Der Mensch beobachtet das nur nicht, und die materialistische Weltanschauung hat keinen Begriff davon, daß man die Welt in dieser Weise betrachten kann.“ (Steiner in: Bindl, 1985, S. 127) Das Böse ist hier, ganz im Gegensatz zu Crowley, der das Böse vor allem in der Dummheit, Abhängigkeit und Unwissenheit sieht, im Menschen an sich zu suchen. Wobei die Zahl Fünf auch eine Zahl des Menschen ist ( Fünf Finger, Fünf Zehen, Fünf Körperöffnungen im Kopf an jeweils einem von fünf Extremitäten). Jedoch ist bei Steiner das selbstständige Denken, welches in anderen Theorien gerade das Spezifikum des Menschsein ist, welches für das Böse verantwortlich ist. Und das würde Crowley mit keiner Silbe revidieren. Interessanter Weise sieht Bindl genau hier den Schnittpunkt mit der Musik. Die Quinte als dominierende und ausdrucksbestimmende Kraft in der Musik. (vgl. Bindl,1985, S.79ff)

 

Die Teamarbeit

 

Die Teamarbeit bestand v. a. in der Verteilung der Aufgaben. Wir haben darauf geachtet, dass die Themen eine größtmögliche Ergänzung bei geringstmöglicher Überschneidung zulassen. Ausserdem habe ich mit Sandra durch die viele gemeinsame Literatur, mich thematisch viel mit ihr auseinandergesetzt.

 

 

 

Literatur:

1.     Bindel, E. „Die Zahlengrundlagen der Musik“, Stuttgart, 1985

2.     Crowley, A. „777 und andere kabbalistische Schriften“, Bergen/Dumme, 1993

3.     Steiner, R. „Das Verhältnis der verschiedenen naturwissenschaftlichen Gebiete zur Astronomie“, Dornach, 1983

4.     Steiner, R. „Das Wesen des Musikalischen und das Tonerlebnis im Menschen“, Dornach, 1981

5.     Schnitzler, G. (Hrsg.) „Musik und Zahl“ Bonn- Bad Godesberg, 1976

     6.   http://www.ngeva.de/background/sephiroth.php, 30.11.2003

7.   http://www.kreudenstein-online.de/Bibelkritik/zahlensymbolik.htm 13.7.2003

     8.   http://www.sphinx-suche.de/lexeso/sephirot.htm 30.11.2003

     9.   http://www.kzu.ch/fach/as/aktuell/1999/millenium/zahlen.htm   30.11.2003

 



[1] Man könnte die Temperatur, die mithilfe des Quecksilbers gemessen wird, genauso als eine der Substanz inhärenten Eigenschaft beschreiben.

[2] Auch wenn sich Aleister Crowley, sowie auch Rudolf Steiner und Helena Petrowna Blavatsky (als Gründer der Theosophischen Gesellschaft), gegen die Auseinandersetzung mit und Einordnung in wissenschaftliche Verfahrensweisen und Argumentationsschemata gewendet haben, habe ich dennoch versucht, den erkenntnistheoretischen Ertrag in einen wissenschaftlichen Rahmen einzuordnen.

[3] Quelle von Tabelle 1: http://www.kreudenstein-online.de/Bibelkritik/zahlensymbolik.htm, bis auf Fehler: „Samech“50; vgl. auch: Crowley, 1993, S. 288

 

[4] alle Namen in Anführungszeichen;  vgl: Crowley, 1993, S.152ff.

[5] Auch wenn die Null im Hebräischen nur eine implizite Rolle spielt, da sie kein Äquivalent als Zeichen besitzt.

[6] auch gerade über ihre Beziehungen zueinander

[7] Crowley,1993, S.20

[8] Vgl. Crowley,1993,S.25ff. und S.99

[9] vgl. Crowley,1993,S.47ff.



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