Autor:
Wolfram Häfer – http://wollumination.piranho.com/
Inhalt:
1. Einleitung S.2
2. 1. Marx` Begriff
der Ware S.2
2. 2. Der Austausch
von Waren S.4
2. 3. Geld S.6
2. 4. Der
Schatzbildner und der Kapitalist S.8
2. 5. Die
Produktion von Mehrwert S.12
2. 6. Die
Akkumulation von Kapital S.16
2. 7. Die
ursprüngliche Akkumulation des Kapitals S.19
3. 1. Der
Kapitalbegriff Bourdieus S. 21
3. 2. Ökonomisches,
kulturelles, und soziales Kapital S.22
4. Fazit S.24
5. Literatur S.26
1. Einleitung
Der Anlass meiner Beschäftigung mit dem Thema
des Kapitalbegriffs bei Marx war die Frage nach Erklärungsmodellen für die
Machtverteilung und Herrschaftsstruktur. Viele Klassiker der Soziologie bieten
Möglichkeiten sich eingehend mit ihnen zu beschäftigen. Mein Interesse lag
jedoch beim Kapitalbegriff von Karl Marx, nicht nur weil er bis heute einer der
am besten bekannten und häufigsten rezitierten Klassikern überhaupt zählt,
sondern vor allem weil seine Theorie häufig nur fazituell und abstrahiert von
der eigentlichen Theorie rezitiert wird. Meine Aufgabe habe ich im Folgenden
darin gesehen, die Begrifflichkeiten die zur Erschließung der Logik und
Funktionsweise des Kapitals beitragen darzustellen, was ich im gesamten 2.
Kapitel der Arbeit versucht habe und möglichst in den Kontext der der Gesamttheorie
einzuordnen. Dabei habe ich versucht die wesentlichen Punkte, sowie die für
meinen Vergleich im 3. und 4. Kapitel wichtigen Punkte, zusammenfassend
darzustellen. Ich habe auch versucht die Produktion von Mehrwert in ihren
wesentlichen Punkten darzustellen, jedoch habe ich dabei auf Einzelheiten
verzichtet, da Marx noch die „Theorien über den Mehrwert“ geschrieben hat, und
eine Beschäftigung damit den Rahmen dieser Arbeit gesprengt hätte. Auch habe
ich als Grundannahme vorausgesetzt, dass Arbeiter Lohnarbeiter sind.
Somit habe ich versucht, den Kapitalbegriff von Marx in Verbindung mit einem
modernen Theoretiker zu bewerkstelligen.
2. 1. Marx` Begriff der Ware
Karl Marx beginnt seine Analyse der
Gegensätze der kapitalistischen Gesellschaft in dem Werk: „Das Kapital“ mit der
begrifflichen Bestimmung der Ware. Er bezieht sich mit dem ersten Satz, wie in
der Einleitung der 1. Auflage[1] schon angekündigt, auf seine Schrift:
„Zur Kritik der politischen Ökonomie“.
„Die Ware ist zunächst ein äußerer
Gegenstand, ein Ding, das durch seine Eigenschaften menschliche Bedürfnisse
irgendeiner Art befriedigt“ (Marx, 1975, S.49). Jedoch hat sie einen doppelten
Charakter, der sich in ihrem Gebrauchswert und in ihrem Tauschwert äußert.
Einerseits, auf Seiten des Gebrauchwerts, stellt sich die Qualität der Ware
dar, die ihr spezifischen nützlichen Eigenschaften. Gebrauchswerte realisieren
sich ausschließlich in Gebrauch oder Konsumtion (vgl. Marx, 1975, S.49).
Tauschwerte hingegen verwirklichen sich im Austausch mit Gebrauchswerten
anderer Art. In dieser Eigenschaft als Tauschwert sind die Waren reduziert auf
ihre quantitative Bestimmung, die in den Waren dargestellte menschliche Arbeit,
bzw. die zur Herstellung des Produkts notwendige Arbeitszeit (vgl. Marx, 1975,
S.52f). In ihrer Eigenschaft als Tauschwert sind die Waren unabhängig von ihrer
Eigenschaft als Gebrauchswerte, wenn sie auch in jedem Fall Gebrauchswerte
darstellen müssen, um Ware zu sein.
„Abstrahiert man nun wirklich vom
Gebrauchswert der Arbeitsprodukte, so erhält man ihren Wert, wie er eben
bestimmt[2] ward. Das Gemeinsame, was sich im
Austauschverhältnis oder Tauschwert der Ware darstellt, ist also ihr Wert“
(Marx, 1975, S.53). Hierbei wird schon deutlich, das Waren nicht nur Produkte
menschlicher Arbeit darstellen, sondern zugleich für andere produziert sind und
ihnen im Austausch übergeben werden müssen. Darin liegt auch der
charakteristische Unterschied zum Feudalismus. Im Feudalismus arbeitete der
Bauer einen Tag auf seinem eigenen Feld für seine Subsistenz, den anderen für
den Fronherrn auf dessen Ländereien. Daher meint Marx auch, dass es dem Bauer
in jedem Fall bewusst[3] war, wann er seine Arbeitskraft für
jemand anderen verausgabte, im Gegensatz zum Arbeiter, dessen Produkte als
unterschiedlose menschliche Arbeit erscheinen und damit dem Kapitalisten als
ihren Gebrauchswert ausschließlich in ihrem Tauschwert erscheinen, doch dazu
später[4]. Spezifisch für die Ware ist nun ihre
Eigenschaft, für andere produziert zu sein, und dass, ganz im Gegensatz zum
Zins- und Zehntkorn des mittelalterlichen Bauern, dieses Produkt anderen im
Austausch übertragen wird. Doch dieser Austausch geht nur vor sich insofern
verschiedene Bedingungen erfüllt sind. Zum einen benötigt sie einen Wert, der
ihren Austausch mit anderen Gebrauchswerten ermöglicht. Die Wertgröße der Ware
bestimmt sich aus der zu ihrer Produktion notwendigen ausgegebenen Arbeitszeit,
jedoch bezieht sich diese nur auf die durchschnittliche oder gesellschaftlich
notwendige Arbeitszeit (vgl. Marx, 1975, S. 53f). Zum anderen müssen sich die
Waren unterschiedlicher Gebrauchswerte als kommensurable Größen, als Größen derselben
Maßeinheit, aufeinander beziehen. Es muss daher von ihren Gebrauchswerten
abstrahiert und sie auf das Quantum der für sie aufgewendeten Arbeitszeit
reduziert werden. Durch diese Reduktion können sie sich erst aufeinander
beziehen, als Größen unterschiedloser menschlicher Arbeit. Sie können sich
ferner nur aufeinander beziehen, insofern sie sich in einem Wertverhältnis
gegenüberstehen, d.h. indem die Ware, welche ihrem Wert nach bestimmt
werden soll, einer anderen Ware als ihrem Äquivalent gegenübergestellt wird.
Die Form, in der sie sich gegenüberstehen wird also bezeichnet als: Wertform.
(vgl. Marx, 1975, S.56ff)
Doch werden, während in der einfachen und
der entfalteten Wertform zwei Waren unterschiedlichen Typs aufeinander bezogen
werden, in der allgemeinen Wertform die verschiedensten Waren des Warenmarktes
einer Ware als deren allgemeines Äquivalent gegenübergestellt. Damit entstand
das Geld, indem Gold als allgemeines Äquivalent der anderen Waren akzeptiert
wurde und zum notorischen Äquivalent des Warentausches geworden ist. So können
die Waren nun in ein Verhältnis zu einem allgemeinen Äquivalent, dem Gold,
gesetzt werden, und erscheinen daher in dieser spezifischen Wertform als:
Preisform oder Geldform. (Vgl. Marx, 1975, S.83ff)
2. 2. Der Austausch
von Waren
Der Austausch von Waren kann nur zwischen
Personen stattfinden, welche sich gegenseitig als Privateigentümer anerkennen.
„Dies Rechtverhältnis, dessen Form der Vertrag ist, ob nun legal entwickelt
oder nicht, ist ein Willensverhältnis, worin sich das ökonomische Verhältnis
widerspiegelt“ (Marx, 1975, S.99). Die Warenbesitzer treten sich nur in
selbiger Charaktermaske gegenüber, nicht als Personen. „Wir werden überhaupt im
Fortgang der Entwicklung finden, daß die ökonomischen Charaktermasken der
Personen nur die Personifikationen der ökonomischen Verhältnisse sind, als
deren Träger sie sich gegenübertreten“ (Marx, 1975, S.100). Hierbei wird
erstmalig deutlich, dass die ökonomische Basis für Marx nicht nur den
politischen und juristischen Überbau bestimmt, sondern auch determinierende
Kraft der Verhältnisse und Beziehungen der Menschen untereinander ist. Sie ist
damit auch Basis für unterschiedliche Einstellungen, Mentalitäten und sozialen
Werte.
Ähnlich beschreibt Marx den
Fetischcharakter der Waren, welcher aus der versachlichten Tendenz der der
Waren immanenten Wertform resultiert. Die Personen treten erst durch den
Austausch ihrer Arbeitsprodukte in gesellschaftlichen Kontakt und somit
erscheinen sie „… als sachliche Verhältnisse der Personen und gesellschaftliche
Verhältnisse der Sachen“ (Marx, 1975, S.87).
Die Ware hat für ihren Besitzer
keinen unmittelbaren Gebrauchswert, sonst würde sie nicht zum Verkauf geboten
werden, sondern in individueller Konsumtion ihren Gebrauchswert verlieren, und
damit aufhören (Ware) zu sein. Für den Warenbesitzer hat die Ware nur einen
Gebrauchswert, da sie Träger von Tauschwert und damit Tauschmittel ist (vgl.
Marx, 1975, S.100). Sie existiert für den Warenbesitzer somit unmittelbar in
ihrer Wertgestalt, da sie für ihn keinen anderen Gebrauchswert besitzt, als
Tauschwert zu sein.
„Dinge sind an und für sich dem Menschen
äußerlich und daher veräußerlich. Damit diese Veräußerung wechselseitig,
brauchen Menschen nur stillschweigend sich als Privateigentümer jener
veräußerlichen Dinge und eben dadurch als voneinander unabhängige Personen
gegenüberzutreten“ (Marx, 1975, S.102). Sie sind daher unabhängig, da sie sich
wechselseitig veräußern. So treten sie sich ausschließlich als Warenbesitzer
gegenüber. Wenn auch der Mensch ein gesellschaftliches Wesen ist, so treten
sich die Menschen in der kapitalistischen Gesellschaft ausschließlich in ihrer
Funktion als Warenbesitzer gegenüber. Ihnen ist es daher nicht bewusst, dass
sie nur in einer solidarischen Gemeinschaft überleben können, da sie sich
gegenseitig als vereinzelte Besitzer von Waren betrachten. Das ändert nichts an
der Tatsache, dass der Austauschprozess der Waren nicht zwischen formell freien
Personen[5] als ein Willensakt ausgetauscht werden.
Dieser Punkt wird noch einmal besonders wichtig, wenn wir uns der Ware
Arbeitskraft zuwenden[6].
„Die beständige Wiederholung des
Austausches macht ihn zu einem regelmäßigen gesellschaftlichen Prozeß. Im Laufe
der Zeit muß daher wenigstens ein Teil der Arbeitsprodukte absichtlich zum
Behuf des Austausches produziert werden. Von diesem Augenblick befestigt sich
einerseits die Scheidung zwischen der Nützlichkeit der Dinge für den
unmittelbaren Bedarf und ihrer Nützlichkeit zum Austausch. Ihr Gebrauchswert
scheidet sich von ihrem Tauschwerte. Andrerseits wird das quantitative
Verhältnis, worin sie sich austauschen, von ihrer Produktion selbst abhängig.
Die Gewohnheit fixiert sie als Wertgrößen“ (Marx, 1975, S.103). Der Preis
handelt sich daher in der notorischen gesellschaftlichen Wiederholung des
Austauschprozesses aus, selbstverständlich geschieht dieser Aushandlungsprozess
immer Wieder neu, da er abhängig ist von den übrigen ökonomischen Bedingungen,
wie der Entwicklung der Produktivkraft und der Stabilität der Währung. „Der
Austauschprozeß gibt der Ware, die er in Geld verwandelt, nicht ihren Wert,
sondern ihre spezifische Wertform“ (Marx, 1975, S.105). Die ist der Fall, da
sich ihr Wert in der vergegenständlichten aufgewendeten Arbeitszeit ausdrückt
(was nur mit einer Steigerung der Produktivkräfte verändert werden könnte),
ihre Wertform jedoch sich nur in der spezifischen Situation verwirklicht, und
sie daher nur ein Abbild der Gegebenheiten dieser spezifischen Situation ist
(d.h. ihre Erscheinungsform unabhängig beispielsweise vom Geldwert oder anderen
äußeren Bedingungen ist).
2. 3. Geld
Wie in Kapitel 2. 1. schon angedeutet,
entstand das Geld, aus einer Ware, welche allgemeines Äquivalent geworden ist.
Der versachlichte Charakter der Warenbesitzer, tritt hier besonders deutlich
zum Vorschein. „Das Rätsel des Geldfetischs ist daher nur das sichtbar
gewordne, die Augen blendende Rätsel des Warenfetischs“ (Marx, 1975, S.108)
Genauso wie die Waren ihren Wert nur
relativ zu einer als Äquivalent fungierender anderer Ware ausdrücken kann, kann
auch „(…) das Geld seine eigene Wertgröße nur relativ in andren Waren
ausdrücken. Sein eigener Wert ist bestimmt durch die zu seiner Produktion
erheischte Arbeitszeit und drückt sich in dem Quantum jeder andren Ware aus,
worin gleichviel Arbeitszeit geronnen ist“ (Marx, 1975, S.106).
Geld ist nun also Ware, in der sich das
allgemeine Maß der Werte darstellt. Dieses allgemeine Maß (der Wert) ist jedoch
die in allen Waren vergegenständlichte menschliche Arbeit, auch in der des
Goldes als Geldware. (vgl. Marx, 1975, S.106) Unter gleich bleibenden
Produktionsbedingungen bleibt das Verhältnis des Geldes gegenüber einer
beliebigen anderen Ware bestehen. Und doch wird das Geld von ihrer Herkunft als
Ware getrennt. Indem ihr Wertmaßstab gesetzlich bestimmt wird, wird sie
unabhängig von ihrem eigentlichem Wertmaß (z.B.: 1 Unze Gold), es erhält sich
nur noch der Geldname. Dieser Prozess wird deutlich bei den Münzen, die als Wertmaße
losgelöst von ihrer Wertsubstanz (z.B. 1 Unze Gold) funktionieren. „In den
metallischen Geldmarken ist der rein symbolische Charakter noch einigermaßen
versteckt. Im Papiergeld tritt er augenscheinlich hervor“ (Marx, 1975, S.140f).
Zuerst ist das Geld jedoch
Zirkulationsmittel. Wenn bisher Ware gegen Ware (W[7]
- W) getauscht wurde, tritt jetzt das Geld in seiner Wertgestalt als
Zirkulationsmittel dazwischen. Aus W - W wird W- G - W, Ware – Geld – Ware.
Marx gibt dafür folgendes Beispiel: „Begleiten wir nun irgendeinen
Warenbesitzer, unsren altbekannten Leinweber z.B., zur Szene des
Austauschprozesses, dem Warenmarkt. Seine Ware, 20 Ellen Leinwand, ist
preisbestimmt. Ihr Preis ist 2 Pfd. St.[8]. Er tauscht
sie aus gegen 2 Pfd. St. und, Mann von altem Schrot und Korn, tauscht die 2
Pfd. St. wieder aus gegen eine Familienbibel vom selben Preis. Die Leinwand,
für ihn nur Ware, Wertträger, wird entäußert gegen Gold, ihre Wertgestalt, und
aus dieser Gestalt rückveräußert gegen eine andre Ware, die Bibel, die aber als
Gebrauchsgegenstand ins Weberhaus wandern und dort Erbauungsbedürfnisse
befriedigen soll“(Marx, 1975, S.119f). Der entscheidende Punkt hierbei ist,
dass der Warenbesitzer seine Ware entäußert um sie anschließend zu veräußern
gegen andere Ware; Ware die für ihn Gebrauchswert besitzt. Denn auch wenn
dieser Prozess beliebig wiederholt wird, bestätigt sich seine Form der
einfachen Warenzirkulation dadurch, dass in diesem Fall der Leinweber seine
Ware durch Umwandlung in Geld und Zurückverwandlung in Ware abgeschlossen ist,
da sich diese Ware für den Besitzer in ihrem Gebrauchswert realisiert und damit
in der (individuellen[9]) Konsumtion vernutzt wird. Denn wie Marx
schon bei der Bestimmung der Ware bemerkte: „Wer durch sein Produkt sein
eigenes Bedürfnis befriedigt, schafft zwar Gebrauchswert, aber nicht Ware“
(Marx, 1975, S.55). Der Leinweber müsste schon die nächste Leinwand eintauschen,
und der Prozess würde sich genauso (zumindest formell gesehen) wiederholen.
„Wie aber in jeder Wandlung der Ware ihre
beiden Formen, Warenform und Geldform, gleichzeitig existieren, nur auf
entgegengesetzten Polen, so steht demselben Warenbesitzer als Verkäufer ein
andrer Käufer und als Käufer ein andrer Verkäufer gegenüber. Wie dieselbe Ware
die zwei umgekehrten Wandlungen sukzessiv durchläuft, aus Ware Geld und aus
Geld Ware wird, so wechselt derselbe Warenbesitzer die Rollen von Verkäufer und
Käufer. Es sind dies also keine festen, sondern innerhalb der Warenzirkulation
beständig die Personen wechselnden Charaktere“ (Marx, 1975, S.125). Dabei ist
Geld als Vermittler zwischen Käufer und Verkäufer Zirkulationsmittel. Während
sich die Waren jedoch in Gebrauchswerten für ihre Besitzer realisieren und
damit aus der Zirkulation herausfallen, treibt sich das Geld beständig in ihr
um (vgl. Marx, 1975, S.131). Wie viel Geld die Zirkulationssphäre absorbiert,
kann mit folgender allgemeiner Formel errechnet werden:
Preissumme der Waren / Umlaufsanzahl
gleichnamiger Geldstücke = Masse des als Zirkulationsmittel funktionierenden
Geldes[10].
Da nun das Wertmaß des Geldes gesetzlich
bestimmt ist, wird die Feststellung des Maßstabs der Preise Aufgabe des Staates
(vgl. Marx, 1975, S.138). Jedoch übernimmt das Geld, ob als Münze oder
Papiergeld, jetzt nur noch die Aufgabe der Darstellung tatsächlich vorhandener
Goldquanta und ist damit Wertzeichen (vgl Marx, 1975, S.140ff).
2. 4. Der Schatzbildner und der Kapitalist
Die einfache Waren Zirkulation, W - G - W,
ist ein sich stetig wiederholender Kreislauf. Die Verwandlung von Ware in Geld
und die Rückverwandlung in Ware. Damit ist das Geld als Zirkulationsmittel
ständig in Umlauf. Der Schatzbildner will diesen Kreislauf unterbrechen, um die
verwandelte Warenform in ihrer Geldform zu fixieren. Damit würde er das Geld
als allgemeines Äquivalent festhalten und die Rückverwandlung in Ware
verhindern. „Aus bloßer Vermittlung des Stoffwechsels wird dieser Formwechsel
zum Selbstzweck. Die entäußerte Gestalt der Ware wird verhindert, als ihre
absolut veräußerliche Gestalt oder nur verschwindende Geldform zu
funktionieren. Das Geld versteinert damit zum Schatz, und der Warenverkäufer wird
Schatzbildner“ (Marx, 1975, S.144). Das Geld wird festgehalten und so der
Zirkulation entzogen. Es wird zum Schatz, da es, anders gesagt, gespart wird.
„Der Trieb der Schatzbildung ist von Natur
maßlos. Qualitativ oder seiner Form nach ist das Geld schrankenlos, d.h.
allgemeiner Repräsentant des stofflichen Reichtums, weil in jede Ware
unmittelbar umsetzbar. Aber zugleich ist jede wirkliche Geldsumme quantitativ
beschränkt, daher auch nur Kaufmittel von beschränkter Wirkung. Dieser
Widerspruch zwischen der quantitativen Schranke und der qualitativen
Schrankenlosigkeit des Geldes treibt den Schatzbildner stets zurück zur
Sisyphusarbeit der Akkumulation. Es geht ihm wie dem Welteroberer, der mit
jedem neuen Land nur eine neue Grenze erobert.
Um das Gold als Geld festzuhalten und daher
als Element der Schatzbildung, muß es verhindert werden zu zirkulieren oder als
Kaufmittel sich in Genußmittel aufzulösen. Der Schatzbildner opfert daher dem
Goldfetisch seine Fleischeslust. Er macht Ernst mit dem Evangelium der
Entsagung. Andrerseits kann er der Zirkulation nur in Geld entziehn, was er ihr
in Ware gibt. Je mehr er produziert, desto mehr kann er verkaufen.
Arbeitsamkeit, Sparsamkeit und Geiz bilden daher seine Kardinaltugenden, viel
verkaufen, wenig kaufen, die Summe seiner politischen Ökonomie“(Marx, 1975,
S.147). Der Schatzbildner kann dem Glanz des Goldes nicht widerstehen. Er
entzieht der Zirkulation Geld um es als Schatz anzuhäufen. Doch damit ist es
noch kein Kapital. Der Ursprung liegt bei beiden in der Warenzirkulation. Geld
in seiner Geldform beim Schatzbildner. Der Kapitalist ist genauso Teil der
Warenzirkulation und damit auch an seine Gesetzmäßigkeiten gebunden, doch
begnügt er sich nicht damit, Geld zu sparen. Der Unterschied ist also in der
Zirkulationsform zu suchen. Der unmittelbare Warentausch, W - G - W, ist
bestimmt durch seine Form, verkaufen um zu kaufen. Geld der Zirkulationssphäre
zu entziehen, ändert nichts an dieser Form. Der Kapitalist verfährt jedoch
anders. Er gibt Geld in die Zirkulationssphäre hinein, um Ware zu kaufen
(Gebrauchswert für andere), und diese in Geld zurückzuverwandeln. Die zweite
Form, mit der sich Geld in Kapital verwandelt, heißt also: G - W - G. Kaufen um
zu verkaufen. Diese Form ist spezifisch von ihrer ersten unterschieden. In der
ersten Form wurde eigene Ware gegen Gebrauchswert getauscht. Und, wie in
Kapitel 2. 3. schon angemerkt, würde auch seine Wiederholung nichts an dieser
Form ändern. Und um bei dem Beispiel aus Kapitel 2. 3. zu bleiben: hätte
der Bibelverkäufer, bei dem der Leinweber sein Geld in den Gebrauchswert
„geistige Erbauung“ verwandelt hat, dieses Geld in „(…) in Kornbranntwein (…)“
(Marx, 1975, S.125) umgesetzt, würde sich auch nichts an der Form ändern. Der
Prozess hätte sich lediglich wiederholt. Daher unterscheidet sie sich deutlich
von der zweiten Form. Sie verlaufen in unterschiedliche Richtungen. „Dort
bildet die Ware, hier das Geld den Ausgangspunkt und Schlußpunkt der Bewegung.
In der ersten Form vermittelt das Geld, in der andren umgekehrt die Ware den
Gesamtverlauf.
In der Zirkulation W - G - W wird das Geld
schließlich in Ware verwandelt, die als Gebrauchswert dient. Das Geld ist also
definitiv ausgegeben. In der umgekehrten Form G - W - G gibt der Käufer dagegen
Geld aus, um als Verkäufer Geld einzunehmen. Er wirft beim Kauf der Ware Geld
in die Zirkulation, um es ihr wieder zu entziehn durch den Verkauf derselben
Ware. Er entläßt das Geld nur mit der hinterlistigen Absicht, seiner wieder
habhaft zu werden. Es wird daher nur vorgeschossen“ (Marx, 175, S.163). Während
in der einfachen Warenzirkulation zwei qualitativ verschiedene Gebrauchswerte
getauscht werden, ist bei dem Tausch G - G, Geld gegen Geld, kein qualitativer
Unterschied erkennbar. Seinen Inhalt schuldet er daher der quantitativen
Verschiedenheit der beiden Enden G und G (vgl. Marx, 175, S.165). Indem dem
Zirkulationsprozess mehr Geld entzogen als in ihn eingeworfen wurde „Die zu 100
Pfd. St. gekaufte Baumwolle wird z.B. wieder verkauft zu 100 + 10 Pfd. St. oder
110 Pfd. St. Die vollständige Form dieses Prozesses ist daher G - W - G', wo G'
= G + ∆G, d.h. gleich der ursprünglich vorgeschossenen Geldsumme plus
einem Inkrement. Dieses Inkrement oder den Überschuß über den ursprünglichen
Wert nenne ich - Mehrwert (surplus value). Der ursprünglich vorgeschoßne Wert
erhält sich daher nicht nur in der Zirkulation, sondern in ihr verändert er
seine Wertgröße, setzt einen Mehrwert zu oder verwertet sich. Und diese
Bewegung verwandelt ihn in Kapital“ (Marx, 1975, S. 165). Wodurch der Mehrwert
entsteht bleibt bis dahin erst einmal offen. Ohne einer Änderung des Geldwerts
oder einer Verbesserung der Produktivkraft kann es auch keine Veränderung des
Preises von Waren geben, da sich ihr Wert durch die zu ihrer Produktion
notwendigen Zeit bestimmt. Jedoch, so kann festgehalten werden, wird die
Zirkulation des Geldes, insofern ihr Produkt (G') Mehrwert abwirft, zum
Selbstzweck und Verwertet sich erneut in seiner Wiederholung. „Als bewusster
Träger dieser Bewegung wird der Geldbesitzer Kapitalist. (…) Der Gebrauchswert
ist also nie als unmittelbarer Zweck des Kapitalisten zu behandeln. Auch nicht
der einzelne Gewinn, sondern nur die rastlose Bewegung des Gewinnens. Dieser
absolute Bereicherungstrieb, diese leidenschaftliche Jagd auf den Wert ist dem
Kapitalisten mit dem Schatzbildner gemein, aber während der Schatzbildner nur
der verrückte Kapitalist, ist der Kapitalist der rationelle Schatzbildner. Die
rastlose Vermehrung des Werts, die der Schatzbildner anstrebt, indem er das
Geld vor der Zirkulation zu retten sucht, erreicht der klügere Kapitalist,
indem er es stets von neuem der Zirkulation preisgibt“ (Marx, 1975, S.167f).
Durch Wert kann jetzt Mehrwert produziert werden, G - G', kann aus Geld mehr
Geld gemacht werden (vgl. Marx, 1975, S.170). Den Widerspruch, der in dieser
Formel auftaucht, benennt Marx indem er sagt: „Waren können zwar zu
Preisen verkauft werden, die von ihren Werten abweichen, aber diese Abweichung
erscheint als Verletzung des Gesetzes des Warenaustausches. In seiner reinen
Gestalt ist er ein Austausch von Äquivalenten, also kein Mittel, sich an Wert
zu bereichern“ (Marx, 1975, S. 173). Die Frage, wie der Mehrwert entsteht ist
weiterhin ungeklärt. Es kann weder Mehrwert produziert werden, durch
einen nominellen Preiszuschlag, da diesen in einem Zirkulationssystem alle
Händler bezahlen würden, d.h. man könnte diesen Vorgang auch als Inflation
beschreiben. Noch könnte die Ware unter ihrem Wert gekauft werden, da sich aus
ihm ihr Tauschwert erst ergibt. Auch würden in diesem Fall die Wertverhältnisse
bei absoluter Änderung erhalten bleiben (vgl. Marx, 1975; S.175ff). Folgendes
Beispiel könnte das veranschaulichen:
„Warenbesitzer A mag so pfiffig sein, seine
Kollegen B oder C übers Ohr zu hauen, während sie trotz des besten Willens die
Revanche schuldig bleiben. A verkauft Wein zum Wert von 40 Pfd. St. an B und
erwirbt im Austausch Getreide zum Wert von 50 Pfd. St. A hat seine 40 Pfd. St.
in 50 Pfd. St. verwandelt, mehr Geld aus weniger Geld gemacht und seine Ware in
Kapital verwandelt. Sehn wir näher zu. Vor dem Austausch hatten wir für 40 Pfd.
St. Wein in der Hand von A und für 50 Pfd. St. Getreide in der Hand von B,
Gesamtwert von 90 Pfd. St. Nach dem Austausch haben wir denselben Gesamtwert
von 90 Pfd. St. Der zirkulierende Wert hat sich um kein Atom vergrößert, seine
Verteilung zwischen A und B hat sich verändert“ (Marx, 1975, S.177). Die
Verwandlung von Geld in Kapital kann somit nicht in der Warenzirkulation
bedingt sein, denn die Zirkulation schafft keinen Wert.
„Aber greifen wir vor. Das Geld,
womit eine solche Klasse beständig kauft, muß ihr beständig, ohne Austausch,
umsonst, auf beliebige Rechts- und Gewaltstitel hin, von den Warenbesitzern
selbst zufließen. Dieser Klasse die Waren über dem Wert verkaufen, heißt nur,
umsonst weggegebenes Geld sich zum Teil wieder zurückschwindeln“ (Marx, 1975,
S.176). Wie das vor sich geht, wird Kernpunkt des nächsten Kapitels sein.
2. 5. Die
Produktion von Mehrwert
Wir haben also bisher gesehen, was Marx
unter einer Ware versteht und wie sie ausgetauscht wird. Damit haben wir auch
verstanden, wie sich der Wert der Ware zusammensetzt und wir der Wert in seiner
qualitativen Verschiedenheit in quantitativ vergleichbare und daher
kommensurable Größen gebracht wurde: durch die Reduktion auf dieselbe Einheit,
die zu ihrer Herstellung aufgewandte Arbeitszeit. Das Geld, als eine Ware, in
seiner Wertgestalt oder als Stellvertreter[11],
kann daher ebenso nur in seiner quantitativen Bestimmung vergleichbar sein. Was
jedoch benötigt wird, um Mehrwert zu produzieren oder Geld in Kapital zu
verwanden, ist: „(…) eine Ware (…), deren Gebrauchswert selbst die
eigentümliche Beschaffenheit besäße, Quelle von Wert zu sein, deren wirklicher
Verbrauch also selbst Vergegenständlichung von Arbeit wäre, daher
Wertschöpfung“ (Marx, 1975, S.181).
Und es gibt diese Ware: Die Ware
Arbeitskraft. Doch schließt der Warentausch an und für sich keine
Abhängigkeitsverhältnisse ein. Es handelt sich daher um einen Vertrag
juristisch gleicher Personen. Der eine kann seine Ware (in dem Fall
Arbeitskraft) in freien Stücken verkaufen, der andere kann die feilgebotene
Ware kaufen.(vgl. Marx, 1975, S.182ff) „Zur Verwandlung von Geld in Kapital muß
der Geldbesitzer also den freien Arbeiter auf dem Warenmarkt vorfinden, frei in
dem Doppelsinn, daß er als freie Person über seine Arbeitskraft als seine Ware
verfügt, daß er andrerseits andre Waren nicht zu verkaufen hat, los und ledig,
frei ist von allen zur Verwirklichung seiner Arbeitskraft nötigen Sachen“
(Marx, 1975, S.183). Die Arbeitskraft ist die Ware, welche Wert produziert
indem sie Gebrauchswert schafft. Ihr Wert ergibt sich aus der zu ihrer
Reproduktion notwendigen Kosten: der Zeit, die Lebensmittel, sowie die
Versorgung der Familie. Und soweit der Kapitalist dem Arbeiter
Produktionsmittel zur Herstellung beliebiger Gebrauchswerte vorschießt, schießt
der Arbeiter dem Kapitalisten seine Arbeit vor, denn er wird erst nach der
Nutzbarmachung seiner produktiven Tätigkeit bezahlt. (vgl. Marx S.183ff)
Wie kommt der Kapitalist, der
Eigentümer an Produktionsmitteln, nun dazu, Mehrwert zu produzieren? Marx
spricht vorläufig von der Produktion des absoluten Mehrwerts. Der Arbeiter
produziert den Mehrwert durch seine Mehrarbeit, die Zeit des Arbeitstages, die
er länger arbeitet, als es zu seiner eigenen Reproduktion nötig wäre, d.h. den
Betrag, den der Arbeiter als seinen Lohn erhält und mit dem er sich und seine
Familie reproduzieren kann und damit seine Arbeitkraft bis zum nächsten Lohn
wieder verkaufen zu können. (vgl. Marx, 1975, S.200ff) Durch die Mehrarbeit
setzt der Arbeiter dem Produkt mehr Wert zu, als er partizipiert. „Geld ist in
Kapital verwandelt“ (Marx, 1975, S.209).
Daher auch die Unterscheidung von
konstanten und variablen Kapital. Konstantes Kapital, wozu
Produktionsmittel und Maschinen gehören, überträgt ihren Wert konstant auf das
Produkt. Die Baumwolle, die beispielsweise im Spinnprozess konsumiert wird,
wird tatsächlich nur in bezüglich ihres Gebrauchswerts konsumiert, ihr
Tauschwert geht unverändert auf das Produkt über. Der Teil des Kapitals
hingegen, der zum Kauf von Arbeitskraft umgesetzt wurde, ist variabel, da er
mehr Wert auf das Produkt überträgt als zu seiner Erhaltung notwendig, Mehrwert
schafft bzw. sich selbst verwertet. (vgl. Marx, 1975, S.214ff) Die Rate des
Mehrwerts ist gleich dem Exploitationsgrad Arbeitskraft. Sie ergibt sich aus
der folgenden Formel: C, das Kapital ist gleich der Summe aus c, dem konstanten
Kapital, und v, dem variablen Kapital [„C = c + v“(Marx, 1975, S.227). Daraus
ergibt sich das verwertete Kapital, C', ist gleich c plus v plus dem Mehrwert,
m [C' = c + v + m]. Jedoch wird bei der Errechnung der Rate des Mehrwerts
das konstante Kapital gleich null gesetzt, da es für die Produktion des
Mehrwerts irrelevant ist. Die Formel C' = v + m gibt damit die Masse des
Mehrwerts an, die Rate des Mehrwerts ergibt sich aus dem Verhältnis m/v. (vgl.
Marx, 1975, S.229f)
Der absolute Mehrwert entsteht durch die
Mehrarbeit und kann daher über die extensive Ausdehnung des Arbeitstags
vergrößert oder verkleinert werden – die Länge des Arbeitstags. Bei
Verlängerung des Arbeitstags verändert sich das Verhältnis von Mehrarbeit und
der Zeit, die zur Reproduktion es Arbeiters notwendig ist (oder:
die Zeit, welche sich in den Kosten zur Erhaltung des Arbeiters - den
Lebensmitteln – realisiert), zugunsten der Mehrarbeit. Damit wächst die
absolute Arbeitszeit im gleichen Verhältnis wie die notwendige Arbeitszeit zur
Mehrarbeit. Der Arbeitstag bewegt sich innerhalb sehr elastischer psychischer
und sozialer Schranken (vgl. Marx, 1975, S.246). Der Antagonismus
zwischen Kapitalisten und Arbeiter, und damit der Antagonismus der
kapitalistischen Gesellschaft in sich, äußert sich in dem Konflikt der
Festlegung der Länge des Arbeitstags: „Der Kapitalist behauptet sein Recht als
Käufer, wenn er den Arbeitstag so lang als möglich und womöglich aus einem
Arbeitstag zwei zu machen sucht. Andrerseits schließt die spezifische Natur der
verkauften Ware eine Schranke ihres Konsums durch den Käufer ein, und der
Arbeiter behauptet sein Recht als Verkäufer, wenn er den Arbeitstag auf eine
bestimmte Normalgröße beschränken will. Es findet hier also eine Antinomie
statt, Recht wider Recht, beide gleichmäßig durch das Gesetz des
Warenaustausches besiegelt. Zwischen gleichen Rechten entscheidet die Gewalt.
Und so stellt sich in der Geschichte der kapitalistischen Produktion die
Normierung des Arbeitstags als Kampf um die Schranken des Arbeitstags dar - ein
Kampf zwischen dem Gesamtkapitalisten, d.h. der Klasse der Kapitalisten, und
dem Gesamtarbeiter, oder der Arbeiterklasse“ (Marx, 1975, S.249).
Der relative Mehrwert hingegen entsteht
durch die Verkürzung der notwendigen Arbeitszeit im Verhältnis zur Mehrarbeit
bei gleich bleibender Größe der Arbeitszeit[12].
Dies geschieht durch die Erhöhung der Produktivkraft der Arbeit, hauptsächlich
schnellere, langlebigere, viele Teilarbeiten zusammenfassende Maschinen; und
auch durch die Intensivierung der Arbeit, maßgeblich durch schnellere und
rationellere Arbeitsmethoden (vgl. Marx, 1975, S.531ff) – ein Grund weshalb
Marx einen spezifisch kapitalistischen Charakter schon in der Manufaktur
erkennt (vgl. dazu Marx, 1975, S.380ff). Arbeit wird durch Kooperation und
Teilung der Arbeit in ihrer Produktivität gesteigert. Die Kooperation
beschreibt die Zusammenarbeit vieler Arbeiter in gleichen, oder in
verschiedenen aber zusammenhängenden, Produktionsprozessen (vgl. Marx, 1975,
S.341ff). Die Bedingung hierfür ist die Unterordnung vieler Arbeiter unter ein
individuelles Kapital sowie ihre planmäßige Anwendung nebeneinander innerhalb
eines Produktionsprozesses. Somit wird die Zeit bis zur Herstellung des
Gesamtprodukts verkürzt, da viele Einzelarbeiten nebeneinander, und damit
gleichzeitig, ausgeführt werden können. Eine Grundbedingung der
kapitalistischen Produktion ist damit implizit auch enthalten, um unter einem
Kapital angewendet werden zu können, muss dieses bereits existieren. Wie das
vor sich geht wird Gegenstand des Kapitels 2. 7.sein.
Bezüglich der Teilung der Arbeit wird
immer weniger verschiedenartige, dafür parzellierte Arbeit verrichtet
zugunsten einer schnelleren und effektiveren Produktion. Die Teilung der Arbeit
ist eine besondere Form der Kooperation (vgl. Marx, 1975, S.359). Der Arbeiter
wird zum Teilarbeiter, welcher nur einen geringen Anteil des Produkts
produziert. Dadurch wird die Arbeit weniger kompliziert und kann daher
schneller und mit weniger Pausen ausgeführt werden - das Prinzip, welches den
ökonomischen Vorteil der Manufaktur gegenüber bis dahin vorherrschenden
Produktionsmethoden darstellte. So kommt es auch zur Bildungsinvestition[13]
Zeit, die den Wert der spezifischen Arbeitskraft mitbestimmt (neben den Kosten
der Lebensmittel) und so zu einer Art Qualifikation („Virtuosität“[14])
des Arbeiters führt, welche seinen Preis auf dem Arbeitsmarkt erhöht, oder ihn
und seine Existenz völlig überflüssig macht, insofern beispielsweise Maschinen
erfunden werden, die seine Arbeit schneller und billiger machen und um zu
funktionieren nur eine schlechter bezahlte, ungeschulte Arbeitskraft benötigen.
Bei zunehmender Spezialisierung erhöht sich sein Wert, während andererseits die
Konkurrenz mit Mensch und Maschine, und damit die Bedrohung der Existenz des
Arbeiters, sich deutlich zuspitzt. (vgl. dazu insbesondere Marx, 1975, S.186f
und S.511) Zum anderen konstatiert Marx durch die „…Kontinuität
gleichförmiger Arbeit…“ (Marx, 1975, S.361) eine Zerstörung der „…Spann- und
Schwungkraft der Lebensgeister, die im Wechsel der Tätigkeit selbst ihre
Erholung und ihren Reiz finden“ (ebd.). Die Nachteile auf Seiten des Arbeiters
sind daher nicht rein ökonomischer Natur und werden auch nicht (rein) einseitig
beschrieben, sondern Marx führt vereinzelt auch andere (in diesem Fall
psychologische) Kategorien ein um die gesellschaftliche Lage des Arbeiters zu
beschreiben. Der spezifisch kapitalistische Charakter tritt jedoch bei beiden,
der kapitalistischen und der manufakturmäßigen Produktionsweise, dadurch
hervor, dass Arbeiter unter der Autorität eines Kapitalisten angestellt sind.
Gemeinsam ist, dass „…der Teilarbeiter keine Ware produziert. Erst das
gemeinsame Produkt der Teilarbeiter verwandelt sich in Ware“ (Marx, 1975,
S.376). Die gesellschaftliche Teilung der Arbeit jedoch, ist die
„…Zersplitterung der Produktionsmittel unter viele voneinander unabhängige
Warenproduzenten“ (ebd.).
Die Produktion des Mehrwerts ist spezifisch
für die kapitalistische Produktionsweise. Nicht, dass es im Feudalismus oder
der Sklavenhaltergesellschaft keine Aneignung fremder, unbezahlter Arbeit gab;
jedoch entwickelte sich die die Produktion von Mehrwert als Aneignung fremder
unbezahlter Arbeit im Austausch von Waren zwischen freien Personen erst im
Übergang in die kapitalistische Produktionsweise. Die Konkurrenz ist jedoch,
wie sich im nächsten Kapitel noch zeigen wird, nicht nur zwischen den Arbeitern
(sowie der Arbeiter mit den gesellschaftlichen Bedingungen) ein sich ständig
reproduzierender Prozess, er macht auch vor dem Tore des Kapitalisten nicht
halt. Es herrscht auch Konkurrenz zwischen den verschiedenen Kapitalen. Sie
sind daher einem Akkumulationsprozess unterworfen, dessen Erfolg auch das
Überleben des Kapitals sichert.
2. 6. Die Akkumulation von Kapital
In den vorangegangenen Kapiteln habe ich
erklärt, wie der Warentausch vor sich geht, wie sich die verschiedenen
Beteiligten im gesellschaftlichen Prozess gegenübertreten und wie die Produktion
von Mehrwert funktioniert und auf die Zirkulation des Kapitals Einfluss nimmt.
Denn wie in Kapitel 2. 4. expliziert ist es nicht mehr der einfache Warentausch
den das Kapital vollzieht; seinen Inhalt schuldet es dem Profit durch die
Produktion des Mehrwerts und seine Form dem Austausch G - G', wobei G' mehr
oder weniger vollständig in die Zirkulation des Kapitals[15]
zurückgeworfen wird und damit das Geld rückverwandelt wurde in Kapital.
„Anwendung von Mehrwert als Kapital oder
Rückverwandlung von Mehrwert in Kapital heißt Akkumulation des Kapitals“ (Marx,
1975, S.605). Die Nutzbarmachung und erneute Verwertung von G' ist also
Akkumulation des Kapitals, da sie in dieser Form sukzessiven Wachstum
unterworfen ist, da der Mehrwert mehr oder weniger komplett in Kapital
verwandelt wird[16]. Die Zirkulation des Kapitals wiederholt
sich auf erweiterter Stufenleiter, es kann mehr Kapital in den Kreislauf
eingezahlt werden, mehr Arbeiter gleichzeitig beschäftigt und damit mehr
Mehrwert produziert werden. „Eigentum an vergangner unbezahlter Arbeit
erscheint jetzt als die einzige Bedingung für gegenwärtige Aneignung lebendiger
unbezahlter Arbeit in stets wachsendem Umfang. Je mehr der Kapitalist
akkumuliert hat, desto mehr kann er akkumulieren“ (Marx, 1975, S.609). Das
Gesetz der Warenproduktion ist in seiner Erscheinungsform ein Tausch von Waren
zwischen verschiedenen Besitzern von Waren. Der Tausch vollzieht sich zwischen
freien Personen und regelt sich nach den Gesetzen des Warentauschs, die im
Kapitel 2. 2. dargelegt worden sind. Demnach ergibt sich ihr Wert der Waren aus
der darin aufgewendeten Arbeitszeit, welche sich in ihrem Preis aus der
gesellschaftlichen Durchschnittsarbeit ergibt. Das Resultat ist jedoch ein
anderes; auch wenn jede einzelne Transaktion, wie beispielsweise den Kauf und
den Verkauf von Arbeitkraft, den Gesetzen des Warentauschs entspricht. Im
Ergebnis nämlich reproduziert diese Art des Warentauschs nur das Verhältnis
zwischen Kapitalisten- und Arbeiterklasse. Dieses gesellschaftliche Verhältnis
begründet sich auf der Trennung von Eigentum und Arbeit. Und dennoch: „…schlägt
offenbar das auf Warenproduktion und Warenzirkulation beruhende Gesetz der
Aneignung oder Gesetz des Privateigentums durch seine eigne, innere,
unvermeidliche Dialektik in sein direktes Gegenteil um“ (Marx, 1975, S. 609).
Statt dem Arbeiter sein Recht an dem Produkt, was er hergestellt hat, zu
sichern, dient es dem Kapitalisten sich fremde unbezahlte Arbeit in wachsenden
Umfang anzueignen. Die Akkumulation ist die Produktion von Mehrwert in
wiederholter Folge. Denn der Teil des Mehrwerts, welcher als Kapital wieder
verwendet wird und damit nicht der individuellen Konsumtion des Kapitalisten zum
Opfer fällt, bildet gleichzeitig die Grundlage für die Steigerung der
Produktion und damit die Steigerung des Mehrwerts. (Und dies ohne die
Möglichkeit der Erhöhung der Produktivkraft der Arbeit in Betracht zu ziehen.)
„Wenn also ein gewisser Grad der Kapitalakkumulation als Bedingung der
spezifisch kapitalistischen Produktionsweise erscheint, verursacht die letztere
rückschlagend eine beschleunigte Akkumulation des Kapitals“ (Marx, 1975,
S.653). Zwei Punkte wären dabei wichtig, zum einen ist die Konzentration von
Produktionsmitteln bei individuellen Kapitalisten beschränkt durch den
Wachstumsgrad des gesellschaftlichen Reichtums. Zum anderen stehen sich die
Kapitalisten der einzelnen Produktionssphären als direkte Konkurrenten
gegenüber. (vgl. Marx, 1975, S.653f) Dies führt dazu, dass sich einerseits
immer mehr Kapital in immer weniger Händen akkumuliert und andererseits die
Konkurrenz zwischen den Kapitalen immer mehr zunimmt. Diese Tendenz sieht Marx
als grundlegend an, auch wenn ihr beispielsweise durch die „…Öffnung neuer
Märkte, neuer Sphären der Kapitalanlage infolge neu entwickelter
gesellschaftlicher Bedürfnisse usw.…“(Marx, 1975, S.641) entgegengewirkt werden
kann.
Mit zunehmender Akkumulation von Kapital
wird eine immer größere Arbeiterarmee[17]
von einem individuellen Kapital kontrolliert. Gleichzeitig wird mit zunehmender
Entwicklung der Produktivkraft der Arbeit und insbesondere mit zunehmender
Entwicklung der Industrie (und damit Zunahme des konstanten Kapitals gegenüber
dem variablen Kapital)[18] eine gegenteilige Bewegung eingeleitet:
es werden immer weniger Arbeiter benötigt. Um diese Bewegung auszugleichen wird
eine industrielle Reservearmee[19] benötigt. Diese sorgt zum einen dafür,
dass immer genügend verfügbare Arbeiter bereit stehen. Zum anderen verschärft
sie die Situation auf dem Arbeitsmarkt. Nicht allein, dass Arbeiter verarmen,
diese dienen noch als Druckmittel zur Erpressung von Mehrarbeit. Dies
dialektische Verhältnis wird besonders deutlich bei folgendem Zitat: „Wenn
seine Akkumulation einerseits die Nachfrage nach Arbeit vermehrt, vermehrt sie
andrerseits die Zufuhr von Arbeitern durch deren »Freisetzung«, während
zugleich der Druck der Unbeschäftigten die Beschäftigten zur Flüssigmachung von
mehr Arbeit zwingt, also in gewissem Grad die Arbeitszufuhr von der Zufuhr von
Arbeitern unabhängig macht. Die Bewegung des Gesetzes der Nachfrage und Zufuhr
von Arbeit auf dieser Basis vollendet die Despotie des Kapitals“ (Marx, 1975,
S.669) Einerseits werden mehr Arbeiter benötigt, andererseits werden Arbeiter
zu einem höheren Arbeitsquantum gezwungen, je größer die industrielle
Reservearmee ist. Die Konkurrenz zwischen den Arbeitern begründet sich in der
Existenz der industriellen Reservearmee (vgl. Marx, 1975, S.669). Daher lautet
das allgemeine Gesetz der kapitalistischen Akkumulation: „Je größer endlich die
Lazarusschichte[20] der Arbeiterklasse und die industrielle
Reservearmee, desto größer der offizielle Pauperismus“ (Marx, 1975, S.673f).
Die Verarmung der arbeitenden Bevölkerung ist damit direkt gekoppelt mit dem
Zuwachs des gesellschaftlichen Reichtums. Akkumulation von Kapital bedeutet
also nicht nur die Vorantreibung und Manifestation der kapitalistischen
Gesellschaft und des gesellschaftlichen Reichtums, sie trägt auch zur
Verelendung der Arbeiter und damit großen Teilen der Bevölkerung bei.
Wie wir gesehen haben, ist die Akkumulation
von Kapital die stetige Wiederholung der Produktion von Mehrwert. Jedoch ist
eine Bedingung für die Produktion von Mehrwert noch nicht geklärt. Wie ist es
möglich, dass Einzelne die Möglichkeit hatten, Produktionsmittel anzuschaffen
und so mehrere Arbeiter gleichzeitig anzuwenden? Wo liegt die Geburtsstunde des
Kapitals? Diese Fragen werden Kernpunkt des nächsten Kapitels sein.
2. 7. Die ursprüngliche Akkumulation des
Kapitals
Während Karl Marx mit seinen bisherigen
begrifflichen Bestimmungen sich eher damit auseinandergesetzt hat, wie die
ökonomische Struktur der kapitalistischen Gesellschaft funktioniert, ist es
beim Begriff der ursprünglichen Akkumulation vor allem die Entstehung der
kapitalistischen Produktionsweise die interessiert. Wie wir in den
vorangegangenen Kapiteln schon bemerkt haben, fehlt in der theoretischen
Analyse bisher die Grundlage des kapitalistischen Warentauschs, das Kapital und
freie Arbeiter. Der eigentümliche Warentausch von Kapitalist, der die
Produktionsmittel besitzt und Arbeit benötigt, und dem Arbeiter, dem es zur
Realisierung seiner Arbeitskraft an Produktionsmitteln fehlt.
Der freie Arbeiter wird benötigt, damit er
als freie Person seine Ware Arbeitskraft auf dem Markt veräußern kann. „Freie
Arbeiter in dem Doppelsinn, daß weder sie selbst unmittelbar zu den
Produktionsmitteln gehören, wie Sklaven, Leibeigne usw., noch auch die
Produktionsmittel ihnen gehören, wie beim selbstwirtschaftenden Bauer usw., sie
davon vielmehr frei, los und ledig sind“ (Marx, 1975, S.742). Die Scheidung des
Kapitalverhältnisses selbst, zwischen Eigentum an den Produktionsmitteln und
freien Arbeitern, reproduziert sich stetig selbst durch die eigentümliche
Bewegung des kapitalistischen Warentauschs. Dieser Konflikt kulminiert, wie in
Kapitel 2. 5. dargestellt, in dem Punkt, wo die Festlegung der Länge des
Arbeitstags zum Streit des Rechts über Kauf und Eigentum der Ware Arbeitskraft
entbrennt, die in diesem Fall die Gewalt entscheidet. „Der Prozeß, der das
Kapitalverhältnis schafft, kann also nichts andres sein als der
Scheidungsprozeß des Arbeiters vom Eigentum an seinen Arbeitsbedingungen, ein
Prozeß, der einerseits die gesellschaftlichen Lebens- und Produktionsmittel in
Kapital verwandelt, andrerseits die unmittelbaren Produzenten in Lohnarbeiter“
(ebd.). Die Befreiung vom Eigentum der Arbeit hin zu einer gesellschaftlichen
Ordnung in der die Arbeit Eigentum von freien Personen[21]
ist war also notwendig für eine Entwicklung der kapitalistischen
Warenproduktion. Dazu mussten die bis dahin Leibeigenen und freien Bauern von
ihren Existenzgrundlagen (wie Eigentum an Land) und den Produktionsmitteln
befreit werden. Sie mussten also der Garantien der feudalistischen Herrschaft,
ihrer Subsistenzmittel enteignet werden (vgl. Marx, 1975, S.743). „Und die
Geschichte dieser ihrer Expropriation ist in die Annalen der Menschheit
eingeschrieben mit Zügen von Blut und Feuer“ (ebd.).
Die Abschaffung der Leibeigenschaft wurde
von der herrschenden Klasse der feudalen Gesellschaft mit Gewalt vollzogen.
Dabei waren verschiedene Prozesse wichtig, wie Marx eindrucksvoll an der
englischen Gesellschaft beschreibt:
-
Zum einen lösten die Königtümer ihre Gefolgschaften auf
- Weiterhin geschah dies durch die
Verjagung der Bauernschaft von ihrem Grund und Boden und der Usurpation des
Gemeindelandes durch die Feudalherrn
- Es wurden riesige Schafweiden an die
Stelle von Ackerland gesetzt
- Auch Kircheneigentum, die Kirche war
während der Feudalzeit eine große Eigentümerin von Land, wurde enteignet und
die Einwohner verjagt
- Gleichzeitig wurden ein Reihe von
gesetzten zur Bestrafung von Landstreichern, Vagabunden und Bettlern[22]
erlassen
- Mit der Einführung des Privateigentums an
Stelle der feudalen Rechtstitel wurde die Expropriation besiegelt
(vgl. Marx, 1975, S.744ff und S.761ff)
Die so freigesetzten Proletarier konnten
den entstandenen Industrien zugeführt werden. Hierbei bestätigt sich auch das
Allgemeine Gesetz der kapitalistischen Akkumulation, dass der offizielle
Pauperismus um so größer, je größer die industrielle Reservearmee ist (siehe
Kapitel 2.6.). Daher beginnt auch hier die Konkurrenz zwischen den Arbeitern,
welche als vogelfreie Proletarier auf den Arbeitsmarkt geworfen wurden.
Wie sind nun aber die Kapitalisten
entstanden? Denn die neuen Privateigentümer, besaßen jetzt zwar Land, aber noch
kein Kapital.
Marx erklärt diese aus der Entstehung der
kapitalistischen Pächter, deren anfängliche Funktion der eines Bauern glich,
nur dass er Lohnarbeiter ausbeutete, statt Leibeigene. Jedoch mit der
vermehrten Anwendung von Lohnarbeitern nahm auch die Konzentration des Kapitals
in immer weniger Händen zu. Und erst die Entstehung der großen Industrie ließ
die kapitalistischen Pächter schlussendlich komplett auf die profitliche
Lohnarbeit in der Industrie umsteigen. (vgl. Marx, 1975, S. 770ff und S.773ff)
Damit sind feudale Titelträger, Günstlinge von König und Adel, sowie z. T.
Kaufleute zu Kapitalisten geworden, die mit dem erstohlenen und aneigneten
Kapital in der Lage sind, sich mittels der Anwendung vieler Arbeitskräfte
massenhaft unbezahlte Arbeit anzueignen. Die Herrschaft des Kapitals ist somit
gegründet auf der gewalttätigen Enteignung der Knechte, Leibeigenen und Bauern
und damit Expropriation der Produzenten.
Im weiteren werde ich mich daher dem
Kapitalbegriff Bourdieus zuwenden um anhand einer vergleichenden Darstellung zu
einem abschließenden Fazit zu kommen.
3. 1. Der Kapitalbegriff Bourdieus
Pierre Bourdieu könnte man als Theoretiker
in der Kritischen Theorie verorten. Er selbst bezeichnet sich als Theoretiker
des konstruktivistischen Strukturalismus und strukturalistischen
Konstruktivismus (vgl. Bourdieu/ Wacquant, 1996, S.29). Seine großen Arbeiten
sind hauptsächlich Studien in bestimmten Forschungsfeldern mit großen
qualitativ - empirischen Anteil. Die Erklärungskraft seiner Theorien beläuft
sich eher auf mittlerer Reichweite. Zu einer Theorie großer Reichweite und
hoher Komplexität fügt sie sich erst in ihrer Gesamtheit. Die entscheidende theoretische
Entwicklung Bourdieus, da ist sich die Arbeitsgruppe um Michael Vester, aber
auch Martina Löw, einig, ist die erkenntnisleitende Perspektive des
Relationalen (vgl. Vester/ Gardemin, 2001, S.219 und Löw, 2001, S.179). Dabei
ist die Entwicklung einer Theorie des sozialen Raums als gesellschaftliches
Kräftefeld von besonderer Bedeutung. Den Kapitalbegriff Bourdieus kann man
daher als erklärendes Modell seiner Theorie sozialen Raums begreifen.
Vester und Gardemin beschreiben eine
Synthese aus der Theorie des Gesamtfelds der sozialen Welt und deren einzelne
Indikatoren, wie die Kapitalsorten. Diese Indikatoren können dann empirisch
untersucht werden (vgl. Vester/ Gardemin, 2001, S.228f). Dadurch soll eine
Verknüpfung von objektivistischen und subjektivistischen Sozialtheorien
erfolgen. Auf der Seite der objektiven Strukturen der soziale Raum als
Kräftefeld, auf der Seite der subjektiven Akteure das Konzept des Habitus.
Beide Seiten ergänzen sich einander in dialektischem Verhältnis. Während der
Habitus sich aus den äußeren Bedingungen, den Strukturen des sozialen Raums,
erklärt und zuordenbar wird, reproduziert sich die gesellschaftliche Struktur
durch die verschiedenen Habitustypen.
Ein Grund für Bourdieu den Kapitalbegriff wieder
einzuführen, sieht er in der Tendenz diverser Sozialtheorien die soziale Welt
auf ahistorische Gleichgewichtszustände zu reduzieren (vgl. Bourdieu, 1997,
S.49)
Daher wenden wir uns nun den
verschiedenen Kapitalsorten zu.
3. 2. Ökonomisches, kulturelles, und
soziales Kapital
Bourdieu führt den Begriff des Kapitals
„…und mit ihm das Konzept der Kapitalakkumulation mit allen seinen
Implikationen“ (Bourdieu, 1997, S.49) als akkumulierte Arbeit ein. Er setzt ihn
in direktem Bezug zu dem Konzept von Marx, erweitert ihn jedoch mit der
Absicht, ihn zur Erklärung der sozialen Welt brauchbarer zu machen. Seine
Kritik des Marxschen Kapitalbegriffs richtet sich vor allem gegen die mit ihm
verbundene ökonomistische Weltsicht. Die soziale Welt wird durch die Reduktion
der sozialen Austauschbeziehungen auf den Warentausch simplifiziert. Er
unterstellt eine axiomatische Beschreibung der sozialen Welt als einer
Gesellschaft in der jede soziale Beziehung objektiv und subjektiv auf die
Profitmaximierung ausgerichtet ist. Jede Beziehung die uneigennützig ist, ist
damit keine Beziehung – bzw. eine Beziehung voller Uneigennützigkeit. Er
hingegen will einen Kapitalbegriff schaffen, der allen Facetten der
gesellschaftlichen Welt gerecht wird. Er will Kapital und Profit in allen
seinen Erscheinungsformen erfassen und somit jede Machtbeziehung (nicht nur
ökonomische) einbeziehen. (vgl. Bourdieu, 1997, S.50ff)
Das Kapital spaltet sich bei Bourdieu in
ökonomisches, kulturelles und soziales Kapital auf. Die verschiedenen Kapitalsorten
können unter bestimmten Umständen transformiert werden. „Das ökonomische
Kapital ist unmittelbar und direkt in Geld konvertierbar und eignet sich
besonders zur Institutionalisierung in der Form des Eigentumsrechts; das
kulturelle Kapital ist unter bestimmten Vorraussetzung in ökonomisches Kapital
konvertierbar und eignet sich besonders zur Institutionalisierung in Form von
schulischen Titeln; das soziale Kapital, das Kapital na sozialen
Verpflichtungen oder »Beziehungen«, ist unter bestimmten Vorraussetzungen
ebenfalls in ökonomische Kapital konvertierbar und eignet sich besonders zur
Institutionalisierung von Adelstiteln“ (Bourdieu, 1997, S.52f).
Kulturelles Kapital kann dabei in
verinnerlichtem, in objektiviertem und in institutionalisiertem Zustand
vorkommen. Von verinnerlichtem Zustand kann man beim kulturellen Kapital
sprechen, insofern der Akkumulation von Kultur ein Verinnerlichungsprozess
vorangeht, der in jedem Fall Zeit kostet. Gemeint ist dabei vor allem die
Verinnerlichung von Bildung, die zu einem festen Bestandteil der Person wird –
zum Habitus wird – und demnach auch nicht durch Tausch oder Kauf kurzfristig
weitergegeben werden kann. Da das verinnerlichte kulturelle Kapital Teil des
Habitus geworden ist, vermittelt es sich auch über unbewusste
Erziehungsmaßnahmen. Jedoch ist auch der ökonomische Faktor nicht zu
unterschätzen. Die Zeit zur Akkumulation dieser Form von Kapital kann nur so
lange ausgedehnt werden, solange eine „…von ökonomischen Zwängen befreite
Zeit…“ (Bourdieu, 1997, S.59) garantiert werden kann.
Das objektivierte Kulturkapital (Schriften,
Gemälde, Denkmäler, Instrumente) kann genauso wie ökonomisches Kapital direkt
in Geld umwandeln. Kulturelle Güter können gekauft oder symbolisch angeeignet
werden (vgl. Bourdieu, 1997, S.59). Wobei die materielle Aneignung
ökonomisches, die symbolische verinnerlichtes Kapital benötigt.
Institutionalisiertes Kulturkapital (Titel)
ist nicht direkt übertragbar und hat den Vorteil rechtlich garantiert und
formell gültig zu sein. Damit ist ihr Wert objektiv garantiert, auch wenn z. T.
nur minimale Leistungsunterschiede zu dauerhaften sozialen Diskontinuitäten
bezüglich der Partizipation an institutionalisierten Kulturkapital führen kann.
Das soziale Kapital in Form von
persönlichen Beziehungen verleiht vor allem Kreditwürdigkeit. Diese ist jedoch
nicht in objektiviertem Austausch zu übertragen. Nur bei intakten Beziehungen
ist eine Konvertibilität überhaupt zu erwarten. Des Weiteren ist es ein
Unterschied, welche Art von sozialen Beziehungen gepflegt werden, wie hoch das
Sozialkapital der Personen ist, mit denen eine Verbindung eingegangen ist.
(vgl. Bourdieu, 1997, S.63ff)
4. Fazit
Der Kapitalbegriff von Karl Marx ist eine
sehr umfangreiche Analyse der ökonomischen Ungleichheit, die nicht zuletzt dem
Mangel der damals gängigen Theorien der Politischen Ökonomie geschuldet ist.
Die grundlegende Idee dafür stammt aus der materialistischen Überzeugung
heraus, in den objektiven Bedingungen der ökonomischen Basis den für die
gesellschaftliche Entwicklung grundlegenden Widerspruch zu erkennen. Der
politische und juristische Überbau ist einzig strukturiert durch die
ökonomische Basis und daher liegt die deterministische oder ordnende Kraft auch
in der Ökonomie. Einseitige Interpretationen dieser materialistischen
Vorgehensweise halte ich dennoch für nicht angebracht. Denn die Erscheinungen
der Dinge entlarven sich erst in ihrer Dialektik. Der grundlegende Widerspruch,
der meiner Ansicht nach im ersten Band des Kapitals dargestellt ist, ergibt
sich aus dem Widerspruch zwischen den Produktionsverhältnissen und den am
Produktionsprozess beteiligten Menschen. Deswegen beschreibt Marx die
geschichtliche Tendenz der kapitalistischen Akkumulation in dieser Dialektik:
„Die aus der kapitalistischen Produktionsweise hervorgehende kapitalistische
Aneignungsweise, daher das kapitalistische Privateigentum, ist die erste
Negation des individuellen, auf eigne Arbeit gegründeten Privateigentums. Aber
die kapitalistische Produktion erzeugt mit der Notwendigkeit eines Naturprozesses
ihre eigne Negation. Es ist Negation der Negation. Diese stellt nicht das
Privateigentum wieder her, wohl aber das individuelle Eigentum auf Grundlage
der Errungenschaft der kapitalistischen Ära: der Kooperation und des
Gemeinbesitzes der Erde und der durch die Arbeit selbst produzierten
Produktionsmittel.“ (Marx, 1975, S.791) Die erste Negation ist also die
Revidierung der auf selbstwirtschaftenden Menschen begründeten Gesellschaft in
ihrem Widerspruch der Entwicklung der Produktivkräfte und der
Produktionsverhältnisse. Dies führt zur Entwicklung des Privateigentums und der
damit verbundenen kapitalistischen Gesellschaft. Die Negation der Negation
vollzieht sich in der Vorstellung von Karl Marx in genau umgekehrter Richtung.
Die Expropriation der Usurpatoren führt zur Auflösung dieses Widerspruchs und
ist damit das Ende jeglicher Dialektik. In jedem Fall spielt das emanzipative
Potential der Menschen eine entscheidende Rolle zur Auflösung des Widerspruchs
zwischen den Produktivkräften und den Produktionsverhältnissen und widerspricht
damit jeglicher materialistischen Grundannahme.
Die Menschen, welche sich als Warenbesitzer
gegenübertreten, treten sich nur, wie in Kapitel 2. 2. beschrieben, in ihren
ökonomischen Charaktermasken gegenüber. Damit sind auch die Menschen bestimmt
durch die ökonomischen Verhältnisse, deren Träger sie sind (vgl. Kapitel 2. 2.
dieser Arbeit). Auch bei Pierre Bourdieu ist der Habitus der Personen ein
Ausdruck der Trägheit der gesellschaftlichen Verhältnisse. Pierre Bourdieus
Auffassung nach strukturiert der soziale Raum die Akteure, ebenso wie die
Akteure den gesellschaftlichen Raum gestalten. Den Kapitalbegriff Bourdieus,
welcher die vertikale Differenzierungslinie des sozialen Raums beschreibt – die
Achse der Herrschaft (vgl. Vester/ Gardemin, 2001, S.230), ist grundsätzlich
der nicht- ökonomischen Austauschbeziehungen ergänzt. Nicht dass Marx nicht-
ökonomischen Beziehungen keine Beachtung schenken würde. Wir haben das gesehen bei der
Beschreibung der Charaktermasken in Kapitel 2. 2., aber auch bei der
Beschreibung des Kapitalisten in Kapitel 2. 4. Der Kapitalist wird hier
beschrieben, als Gefangener seiner Funktion in der kapitalistischen
Gesellschaft. Ebenso der Arbeiter in Kapitel 2. 5. dessen Minderung der „Spann-
und Schwungkraft der Lebensgeister“ auf die monotone Ausführung repetitiver
Teilarbeit zurückzuführen ist, was meiner Meinung nach eine eindeutig
psychologische Kategorie ist, die er hier einführt. Wenn auch beim Ausdruck der
„Spann- und Schwungkraft“ eindeutig seine Anlehnung an die Naturwissenschaften
und sein materialistisches Weltbild deutlich wird. Auch Erziehung bzw. Bildung
hat Marx im ersten Band des Kapitals einmalig erwähnt (ebenfalls in Kapitel 2.
5.), wobei in diesem Fall die Bildung auf ihre, wie auch die Kritik Bourdieus
nahe legt, auf ihre rein ökonomische Dimension beschränkt bleibt.
Die Teilung der Arbeit, entspricht bei
Bourdieus Konzept des sozialen Raums der horizontalen Achse (vgl. Vester/
Gardemin, 2001, S.229). Diese Achse scheidet sich inhaltlich nur unwesentlich
vom Konzept Karl Marx`. Durch die zunehmende Spezialisierung (Differenzierung)
der Arbeitskräfte entsteht eine Abhängigkeitssituation der einzelnen
Teilarbeiter voneinander[23] und gleichzeitig eine Konkurrenzsituation
zwischen ihnen in Kraft, die die Despotie des Kapitals und damit die Lage der
Arbeiter verschärft (vgl. Kapitel 2.5. und 2.6.). Teilung der Arbeit kann aber
gleichzeitig auch innerhalb der Fabrik oder des Betriebs herrschen, das
Verhältnis von Kapitalist und Arbeiter auf der Ebene der gesellschaftlichen
Produktion entspricht im kleinsten dem Verhältnis von Aufseher und
Teilarbeiter.
Der Kapitalbegriff von Marx ist in jedem
Fall ein theoretisches Konzept dessen Überprüfung nicht allein wegen des Umfangs,
sondern vor allem wegen ihrer hohen Komplexität, schwer fallen wird. Meiner
Ansicht nach sind viele Darstellungen der Marxschen Kapitaltheorie stark
vereinfacht[24] Und dennoch, die Ökonomie als Basis der Gesellschaft
kann auch Bourdieu mit seinem begrifflichen Instrumentarium nicht widerlegen.
Er hat mit der Erweiterung des Kapitalbegriffs sicher einen Schritt in Richtung
einer Theorie zum erklären einer Gesellschaft in ihrer Gesamtheit getan, jedoch
ist es auch in seinem Konzept die Basis der Ökonomie, welche Entscheidungen
über Menschen trifft, ohne dass sie Einfluss darauf gehabt hätten.
5. Literatur
- P. Bourdieu, „Ökonomisches Kapital –
Kulturelles Kapital – Soziales Kapital“ in: ders.: „Die verborgenen Mechanismen
der Macht“, Hamburg, 1997
- V. M. Bader u.a., „Einführung in die
Gesellschaftstheorie“, Frankfurt/Main 1976
- G. Lenhardt, „Schule und bürokratische
Rationalität“, Frankfurt/M. 1984
- K. Marx, „Das Kapital. Erster Band“,
Berlin (Ost) 1975
- M. Vester u. a., „Soziale Milieus im
gesellschaftlichen Strukturwandel“, Frankfurt/Main 2001
- M. Vester/ D. Gardemin, „Milieu und
Klassenstruktur“ in: C. Rademacher/ P. Wiechens (Hrsg.), „Geschlecht Ethnizität
Klasse“, Opladen 2001
- P. Bourdieu/
L. D. J. Wacquant, „Reflexive Anthropologie“, Frankfurt/Main 1996
[1] „Das Kapital“ wird
hier als Fortsetzung der Schrift „Zur Kritik der Politischen Ökonomie“
angekündigt. (vgl. Marx, 1975, S.11)
[2] als Tauschwert,
Anm. d. A.
[3] „Die Fronarbeit
ist ebensogut durch die Zeit gemessen wie die Warenproduzierende Arbeit, aber
jeder Leibeigene weiß, daß es ein bestimmtes Quantum seiner persönlichen
Arbeitskraft ist, die er im Dienst seines Herrn verausgabt“ (Marx, 1975, S.91).
[4] Siehe 2.2. dieser
Arbeit
[5] Der Arbeiter wird
hier beschrieben als: „formell freie Person“ (Siehe Marx, 1975, S.418)
[6] Siehe 2. 4. dieser
Arbeit
[7] Im folgenden wird
mit W die Ware und mit G das Geld bezeichnet
[8]Im folgenden: 2
Pfund Sterling
[9] vorerst bezeichnet
Marx die individuelle Konsumtion einfach als Konsumtion, da es bei dem jetzigen
Erkenntnisstand noch keine analytische Trennung vorgenommen wurde, später
jedoch wird der Konsumtionsprozess zweiseitig beschrieben: „Die Arbeit
verbraucht ihre stofflichen Elemente, ihren Gegenstand und ihr Mittel,
verspeist dieselben und ist also Konsumtionsprozeß. Diese produktive Konsumtion
unterscheidet sich dadurch von der individuellen Konsumtion, daß letztere die
Produkte als Lebensmittel des lebendigen Individuums, erstere sie als
Lebensmittel der Arbeit, seiner sich betätigenden Arbeitskraft, verzehrt.“
(Marx, 1975, S.198)
[10] Marx, 1975, S.133
[11] „Die Ware, welche
als Wertmaß und daher auch, leiblich oder durch Stellvertreter, als
Zirkulationsmittel funktioniert, ist Geld.“ (Marx, 1975, S.143)
[12] „Durch Verlängrung
des Arbeitstags produzierten Mehrwert nenne ich absoluten Mehrwert; den
Mehrwert dagegen, der aus Verkürzung der notwendigen Arbeitszeit und
entsprechender Verändrung im Größenverhältnis der beiden Bestandteile des
Arbeitstags entspringt - relativen Mehrwert.“ (Marx, 1975, S.334)
[13] „Um die allgemein
menschliche Natur so zu modifizieren, daß sie Geschick und Fertigkeit in einem
bestimmten Arbeitszweig erlangt, entwickelte und spezifische Arbeitskraft wird,
bedarf es einer bestimmten Bildung oder Erziehung, welche ihrerseits eine
größere oder geringere Summe von Warenäquivalenten kostet. Je nach dem mehr
oder minder vermittelten Charakter der Arbeitskraft sind ihre Bildungskosten
verschieden. Diese Erlernungskosten, verschwindend klein für die gewöhnliche
Arbeitskraft, gehn also ein in den Umkreis der zu ihrer Produktion verausgabten
Werte.“ (Marx, 1975, S.186)
[14] Marx, 1975, S.359
[15] „Dieser immer
dieselben sukzessiven Phasen durchmachende Kreislauf bildet die Zirkulation des
Kapitals.“
(Marx, 1975, S.589)
[16] „Welches immer die
gesellschaftliche Form des Produktionsprozesses, er muß kontinuierlich sein
oder periodisch stets von neuem dieselben Stadien durchlaufen. So wenig eine
Gesellschaft aufhören kann zu konsumieren, so wenig kann sie aufhören zu
produzieren. In einem stetigen Zusammenhang und dem beständigen Fluß seiner
Erneuerung betrachtet, ist jeder gesellschaftliche Produktionsprozeß daher
zugleich Reproduktionsprozeß.“ (Marx, 1975, S.591)
[17] „Jedes
individuelle Kapital ist eine größere oder kleinere Konzentration von
Produktionsmitteln mit entsprechendem Kommando über eine größere oder kleinere
Arbeiterarmee.“ (Marx, 1975, S.653)
[18] vgl. Marx, 1975,
S.650 ff
[19] zum Begriff der
„Reservearmee“ vgl. Marx, 1975, S.502
[20] mit dem Begriff
Lazarusschichte sind hier die beschäftigten Arbeiter gemeint, Anm. d. A.
[21] „Es kostet
Jahrhunderte, bis der »freie« Arbeiter infolge entwickelter kapitalistischer
Produktionsweise sich freiwillig dazu versteht, d.h. gesellschaftlich gezwungen
ist, für den Preis seiner gewohnheitsmäßigen Lebensmittel seine ganze aktive
Lebenszeit, ja seine Arbeitsfähigkeit selbst, seine Erstgeburt für ein Gericht
Linsen zu verkaufen.“ (Marx, 1975, S.287)
[22] „Heinrich VIII.,
1530: Alte und arbeitsunfähige Bettler erhalten eine Bettellizenz. Dagegen
Auspeitschung und Einsperrung für handfeste Vagabunden. Sie sollen an einen
Karren hinten angebunden und gegeißelt werden, bis das Blut von ihrem Körper
strömt, dann einen Eid schwören, zu ihrem Geburtsplatz oder dorthin, wo sie die
letzten drei Jahre gewohnt, zurückzukehren und »sich an die Arbeit zu setzen«
(to put himself to labour). Welche grausame Ironie!“ (Marx 1975, S.762)
[23] Durch die Trennung
der Arbeitsbereiche ist die Herstellung eines Produkts von der Tätigkeit des
Gesamtarbeiters abhängig.
[24] Beispielsweise die
Einschätzungen zum Kapitalbegriff der Arbeitsgruppe um Bader, das Vorgehen von
Marx wäre grob materialistisch, weil es keine Ware Arbeitskraft gibt, ist mehr
als fragwürdig. (Vgl. Bader u.a., 1975, S. 125)